Heizungswartung rettet Leben

Kohlenmonoxid-Vergiftung vermeiden

Am 3. Juni 2012 kam es in Wien wieder zu einem CO-Vergiftungsunfall, bei dem vier Personen verletzt wurden. Nahezu alle CO-Unfälle sind leicht vermeidbar, wenn Anlagenbetreiber etwas mehr Umsicht beweisen würden. Wie man CO-Unfälle vermeidet, lesen Sie hier.

Heizungstechnik

Eine verschmutzte Therme hat am 3. Juni 2012 in Wien Kohlenstoffmonoxid-Alarm ausgelöst - vier Personen waren betroffen. Laut APA erlitten drei 18-Jährige eine leichte Kohlenstoffmonoxid (CO)-Vergiftung und wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Eine 99-jährige Frau, die sich in der Wohnung oberhalb der defekten Gastherme aufhielt, wurde ebenfalls ins Spital gebracht. Für keines der Opfer bestand Lebensgefahr.

Im Vorjahr gab es in Wien 41 Verletzte und 4 Todesfälle durch CO-Vergiftungen. Die meisten CO-Unfälle mit Gasgeräten sind auf mangelhafte bzw. fehlende Wartung, nicht typengerechte Verwendung des Gerätes, aber auch Manipulation zurückzuführen. Nahezu alle Unfälle wären leicht vermeidbar gewesen, wie bei einer Pressekonferenz am 4. Juni 2012 von Wien Energie Gasnetz, Wiener Installateur- und Rauchfangkehrer-Innung hingewiesen wurde.

Die rechtzeitige bzw. regelmäßig Wartung

und Überprüfung von Feuerstätten verhindert

nicht nur mögliche Kohlenmonoxid (CO)-Vergiftungen

sondern spart auch Energie.

Bild: Wien Energie Gasnetz

Mangelnde Wartung: Unfall-Hauptursache

Walter Dosek von Wien Energie Gasnetz: „Die Experten unseres Störfalldienstes wurden seit 2011 zu 68 Einsätzen gerufen, wo Kohlenmonoxid die Unfallursache war. All diese Unfälle hätten aus unserer Sicht durch rechtzeitige Wartung und Überprüfung der Feuerstätten vermieden werden können. Aber auch die durchaus sinnvollen Energiesparmaßnahmen wie der Einbau dichter Fenster und die thermische Sanierung von Gebäuden führen zu einer mangelhaften Luftzuführung, die Gasgeräte für die einwandfreie Verbrennung und die ordnungsgemäße Abführung von Abgasen benötigen. Verstärkt wird diese Situation durch teilweise nicht den Regeln der Technik entsprechend installierten Ablufteinrichtungen (z.B. Bad-/WC-Ventilatoren und Dunstabzugshauben), die bei gleichzeitigem Betrieb nicht nur dem Gasgerät die benötigte Luft entziehen, sondern auch die Abgasabführung negativ beeinflussen. Dadurch kommt es zu einem Abgasaustritt in den Raum und zu einer Kohlenmonoxidbildung.“

Anmerkung: Ein Anruf beim Gas-Notruf der Wien Energie Gasnetz Störfallmeldestelle (Tel.-Nr.: 128) kann im Ernstfall Schlimmeres vermeiden!

Jährliches Autoservice – jährliche Gasgerätewartung?!

„Am Ende einer jeden Heizperiode war eine durchschnittliche Heizungsanlage mindestens 1.400 Stunden in Betrieb. Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 50 km/h entspräche das beim Auto einer Kilometerleistung von rund 70.000 km. Jeder Autobesitzer hätte sein Auto innerhalb dieser Strecke sicher mehrmals vorsorglich warten und überprüfen lassen. Nicht nur ein Auto, sondern auch ein Gasgerät braucht ein Service. Leider wird der Wartungspflicht bzw. Überprüfungspflicht von Gasgeräten bzw. Gasanlagen in diesem Umfang nicht immer nachgekommen“, bedauert der Landesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Ing. Michael Mattes.

Vorsicht im Sommer

In der heißen Jahreszeit kommt es immer wieder zu Abgasrückstauproblemen und bei nicht oder schlecht gewarteten Gasfeuerstätten zu Kohlenmonoxid-Unfällen bzw.- Vergiftungen.

Durch die hohen Außentemperaturen entsteht im Fang ein „Luftstoppel“ und der natürliche Zug im Fang funktioniert nicht oder nur eingeschränkt. Die Folge: Die Abgase können nicht abgeführt werden, der Abgaswächter spricht meistens an,und moderne Geräte gehen auf Störung (bei älteren Geräten kommen die Abgase in den Raum zurück – GEFAHR der CO-Vergifung!).

Viele Gerätenutzer bringen sich nicht nur

durch verabsäumte Wartungen sondern auch

durch „Selbstbau-Kreationen“ in Gefahr,

wie dieses Bild vor Augen führt.

Bild: Wien Energie Gasnetz

Tipps zur Vermeidung von Abgasrückstau-Problemen im Sommer

Vor Inbetriebnahme des Gasgerätes ein vorhandenes Fenster im Aufstellungsraum öffnen. Wenn kein Fenster im Aufstellungsraum vorhanden ist, sollte man während des Betriebes die Türe geöffnet lassen und im nächsten Raum ein Fenster öffnen. Wenn möglich, ist ein zweites gegenüberliegende Fenster zu öffnen, um bei einem eventuellen Abgasrückstrom Kohlenmonoxid – kontaminiertes Abgas damit zu verdünnen.

Wenn das letzte Service länger als ein Jahr zurückliegt, unbedingt Service vom Installateurfachbetrieb durchführen lassen. (ACHTUNG vor Billiganbietern!)

Kein Vollbad nehmen, kurzes Duschen nur bei geöffneten Fenstern

Überprüfung des CO-Gehaltes der Abgase anlässlich der Hauptkehrung durch den zuständigen Rauchfangkehrer

Langfristige helfen auch folgende Maßnahmen:

Montage eines rotierenden Aufsatzes, der bereits beim geringsten Wind Auftrieb erzeugt

Umstellung auf eine Gasgerät mit Gebläse bzw. ein raumluftunabhängig arbeitendes Gasgerät

Überprüfung der Verbrennungsluftzuführung jetzt geregelt

Eine regelmäßige Überprüfung, ob für die Verbrennung der Feuerstätte ausreichend Verbrennungsluft in die Wohnung nachströmen kann bzw. durch Ablufteinrichtungen die Abgasabführung beeinträchtigt wird, war in Wien bisher gesetzlich nicht vorgesehen.

Seit kurzem ist das durch die Novellierung des Wiener Feuerpolizei- Luftreinhalte und Klimaanlagen-Gesetzes anders. „Damit wurde beschlossen, dass der Rauchfangkehrer auch die Verbrennungsluftzuführung gemäß Stand der Technik (z.B. durch das messtechnische Verfahren der „Luftzahlmessung“ gemäß ÖVGW RL G12) zu überprüfen hat“, erklärte KommR. Josef Rejmar, Landesinnungsmeister Wien der Rauchfangkehrer.

Diese Überprüfung werde mit einem Abgasmessgerät während der Hauptkehrungen bzw. Hauptüberprüfungen durchgeführt. Pluspunkt: Es ist keine zusätzliche Anwesenheit der Wohnungsbenützer erforderlich. Negativpunkt: Der Zugang zu allen Fenstern, Türen und Lüftungseinrichtungen wird überprüft, was länger als bisher dauern wird.

Werden Mängel oder Gefahren erkannt, informiert der Rauchfangkehrer den Benützer über erforderlichen Behebungsmaßnahmen. Bei Gefährdung des Wohnungsbenützers durch Abgasaustritt ist der Rauchfangkehrer verpflichtet, aus Sicherheitsgründen ein Benützungsverbot bekannt zu geben.

Anmerkung: Nicht nur bei Gasgeräten kann es zur Bildung von Kohlenstoffmonoxid kommen. In der Printversion der HLK 1-2/2012 wiesen wir im Fachartikel „Gefahr durch Kohlenstoffmonoxid“ auf die Gefahren beim Betrieb von Feuerstätten hin; der Artikel steht auf www.hlk.co.at im „Fachartikelarchiv/Service & Tipps“ als PDF zum Runterladen bereit.