Biomassekonferenz in Graz

Klimawandel findet statt – Folgen sind bereits sichtbar

Über 1.100 Gäste informierten sich bei der 4. Mitteleuropäischen Biomassekonferenz über die neuesten Entwicklungen bei der energetischen Biomassenutzung und hörten starke Töne: „Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gab“.

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Voller Erfolg: Über 1.100 Besucher

aus 45 Nationen und aus allen Kontinenten

besuchten vom 15. bis 18 Jänner 2014 die

4. Central European Biomass Conference/

4. Mitteleuropäischen Biomassekonferenz in Graz.

Bild: CEBC

Besucher aus 45 Nationen und aus allen Kontinenten reisten nach Graz an, um sich bei der 4. Mitteleuropäischen Biomassekonferenz (vom 15. bis 18 Jänner 2014) in Graz über die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Entwicklungen bei der energetischen Biomassenutzung zu informieren. Damit wurde die internationale Ausrichtung der größten Biomasse-Konferenz Österreichs wieder eindrucksvoll unterstrichen. Der rege Zuspruch schlug sich auch in erfreulichen Besuchszahlen nieder − über 1.100 Gäste kamen nach Graz. Den Vorsitzenden des Österreichischen Biomasse-Verbandes, Horst Jauschnegg, freut´s: „Österreichisches Bioenergie-Know-how stößt überall auf der Welt auf höchstes Interesse!“

Die Veranstalter konnten also zufrieden sein. Namhafte Experten aus dem In- und Ausland präsentierten die neuesten Entwicklungen im Biomasse-Bereich, aber auch zum Klimawandel.

Verursachung durch menschliche Aktivitäten ist klar

Univ.-Prof. Georg Kaser, Klimaforscher und Mitautor des IPCC-Klimaberichtes: „Der Klimawandel findet statt, die Verursachung durch menschliche Aktivitäten ist klar. Die Folgen sind bereits sichtbar und zukünftige in globalen wie großregionalen Mitteln absehbar: Anstieg der Temperatur der Erdoberfläche, Anstieg des Meeresspiegels, Abschmelzen von Eismassen, Versauerung der Ozeane, Verstärkung des Wasserkreislaufs, Verschieben von Niederschlagsmustern, etc.“

Die Zunahme von Extremereignissen in Anzahl und Intensität sei wahrscheinlich. Regionale und lokale Auswirkungen werden Abweichungen zu den großräumigen Mitteln haben und sind im Detail weniger genau quantifizierbar. Dazu sei zusätzliche Forschung notwendig.

Das Ausmaß der Änderungen ist laut Kaser überwiegend nachteilig. Der weitere Verlauf hängt vom Handeln der Menschen ab. Ein weiteres Beschleunigen des Klimawandels kann nur durch eine schnelle und drastische Reduktion der Emission von Treibhausgasen, vor allem von CO2, erzielt werden. Technischem Gegensteuern (Geoengineering) durch das Einfangen und Binden von CO2 oder durch eine Verstärkung des Reflexionsvermögens der Erde gegenüber der Sonnenstrahlung fehle sowohl die Reife als auch ein geopolitisches Werkzeug zur Ausführung, erklärt der Professor. Negative Seiteneffekte im Klimasystem wären unabsehbar.

Natur kennt kein Energieproblem

„So viel wie der Erste und Zweite Weltkrieg zusammen könnte es kosten, wenn die Menschheit mit ihrer heutigen Energiepolitik weitermacht wie bisher: Wir verbrennen heute an einem Tag so viel Kohle, Gas und Öl wie die Natur in einer Million Tagen angesammelt hat“, erläutert Journalist und Energiewende-Guru Franz Alt und zitierte gleichzeitig den ehemaligen Chefvolkswirten der Weltbank, Nicholas Stern: „Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gab.“ So hatte es bisher niemand formuliert. Plötzlich ist die Rettung des Weltklimas ein Auftrag der Ökonomen. „Entscheidend wird sein, dass wir langfristig rechnen lernen. Der frühere SPD-Politiker, Ökoenergie-Pionier und Ökonom Hermann Scheer rechnete in diesem Sinne: ‚Die Mehrkosten für erneuerbare Energien von heute sind vermiedene Umweltschäden und niedrige Energiekosten von morgen’“, meint Alt.

Dabei stehe die Lösung des Energieproblems am Himmel: Die Sonne. Sie schickt uns jede Sekunde unseres Daseins 15.000mal mehr Energie als alle sieben Milliarden Menschen zurzeit verbrauchen. Es gebe von Natur aus also kein Energieproblem.

Mahnende Worte fand auch Horst Jauschnegg: „Die Europäische Union muss im Kampf gegen den Klimawandel mutig als Vorreiter vorangehen und das Energiesystem auf erneuerbare Grundfesten stellen. Eine nachhaltige, sichere, wettbewerbsfähige und klimaschonende Energieversorgung kann künftig nur gewährleistet werden, wenn die Energie- und Klimapolitik der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten den 100%igen Umstieg auf ein hocheffizientes, erneuerbares Energiesystem mit ambitionierten, langfristig geplanten Maßnahmen und einem klaren Zielerreichungspfad rasch vorantreibt“.

Die Vorträge der Konferenz sind in einem Tagungsband zusammengefasst und stehen auf der Organisations-Homepage kostenlos zum Download bereit.