Klimamaßnahmen

Klimaschutz ja, aber nicht im eigenen Unternehmen

Ausführliche Maßnahmen und Strategien in Sachen Energiewende und Klimaschutz fehlen nicht nur in der österreichischen Mission2030, auch die heimischen Unternehmen sind wenig ambitioniert. Das zeigt eine aktuelle Studie von PwC Österreich.

Klima Energie Unternehmen PwC

Mit einer umfassenden Klimastrategie beschäftigen sich nur wenige österreichische Unternehmen.

Das Thema Erderwärmung ist längst in der österreichischen Wirtschaft angekommen, Engagement zeigen aber nur wenige Unternehmen. Nur 18 Prozent der Geschäftsberichte beinhalten ausführliche Erklärungen zu identifizierten Risiken und Chancen dazu und lediglich sechs von zehn Austro-Unternehmen erwähnen Klimathemen überhaupt in Strategie und Maßnahmen. Das geht aus einer aktuellen Studie von PwC Österreich hervor. 

„Die Evaluierung des Geschäftsmodells hinsichtlich seiner Klimaresilienz ist heutzutage von wesentlicher Bedeutung“, erklärt Birgit Haberl-Arkhurst, Nachhaltigkeitsexpertin bei PwC Österreich. „Investoren, Kreditgeber und Versicherer müssen die klimabezogenen Risikobewertungen und Strategien von Unternehmen kennen, um langfristig fundierte Entscheidungen treffen zu können. Die Kernergebnisse der analysierten 39 ATX-Unternehmen verdeutlichen: Es gibt noch viel Luft nach oben.“

Klima-Reporting in Österreich noch in den Kinderschuhen

Klimarelevante Informationen sind in der Regel im Nachhaltigkeits- bzw. nichtfinanziellen Bericht, im Lagebericht oder in einem integrierten Bericht enthalten. Sie sollten nicht als alleinstehende Informationen oder separate Berichte veröffentlicht werden. Allgemein berichten nur 16 Prozent der Unternehmen explizit und transparent über die Governance zu klimabezogenen Risiken und Chancen. Nur wenige Unternehmen legen offen, in welcher Form und wie häufig der Vorstand oder das Management über klimarelevante Themen informiert wird und ob und wie sie den Fortschritt bei der Erreichung der definierten Ziele überwachen.

White Paper zum Thema

Im Rahmen der Studie „Klimaberichterstattung österreichischer Unternehmen“ wurden die Branchengruppen Finanzwesen, Grundindustrie und Versorger sowie Güter, Dienstleistungen und andere analysiert. Es zeigt sich, dass die vom Klimawandel am offensichtlichsten betroffenen Branchen in Bezug auf die Berichterstattung am weitesten fortgeschritten sind. Spitzenreiter ist die Gruppe der Grundindustrie und Versorger, wo jedes zweite Unternehmen klimawandelbedingte finanzielle Auswirkungen zumindest kurz erwähnt. Unternehmen der Güter, Dienstleistungen und andere sowie des Finanzwesens liegen bei knapp 40 Prozent.

Klimathemen noch zu wenig in Unternehmensstrategie integriert

Bei rund sechs von zehn der österreichischen Unternehmen werden Klimathemen in der Strategie bzw. in ihren Maßnahmen zumindest kurz erwähnt – in der Regel in der Nachhaltigkeitsstrategie. Lediglich knapp 18 Prozent liefern eine ausführlichere Beschreibung.

Hinsichtlich Strategie wird eine Offenlegung der tatsächlichen und potenziellen Auswirkungen klimabedingter Risiken und Chancen auf die Geschäftstätigkeit, Strategie und Finanzplanung des Unternehmens empfohlen. Auch sollten Unternehmen die mit dem Klimawandel verbundenen Chancen und Risiken beschreiben, welche für einen kurz-, mittel- und langfristigen Zeithorizont identifiziert wurden und eine wesentliche tatsächliche oder potenzielle finanzielle Auswirkung auf den Unternehmenserfolg haben.

„Die Darstellung der Strategie ist aus Sicht der Investoren von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis des Potenzials eines Unternehmens“, so die PwC-Expertin. „Eine aussagekräftige langfristige Strategie, die die aktuellen Trends umfassend berücksichtigt, schafft Vertrauen in die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens und seines Unternehmenswertes.“

Unscharfes Risk Management in Klimafragen

Die Analyse der heimischen Firmen zeigt, dass knapp 60 Prozent der Unternehmen klimawandelbedingte Risiken oder Chancen zumindest erwähnen, wobei bei der Berichterstattungstiefe noch Verbesserungsbedarf besteht. Lediglich 18 Prozent der Berichte beinhalten ausführliche Erklärungen zu den identifizierten Risiken und Chancen. Zwei von drei Unternehmen erwähnen diese Risiken zumindest kurz, wobei nur knapp jedes vierte Unternehmen ausführlich berichtet.

„In den meisten Fällen sind die Verantwortlichkeiten für die Erkennung und Steuerung von klimawandelbedingten Risiken und Chancen auf der Vorstandsebene nicht klar beschrieben. Die Berichterstattung ist oft sehr allgemein gehalten und klimabezogene Themen werden nur am Rande erwähnt“, erklärt Birgit Haberl-Arkhurst. „Es ist allerdings sehr wichtig die Risiken und Chancen genau zu evaluieren. Um Klima-Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten, müssen mögliche Klima- und Anpassungsszenarien genau analysiert werden.“

Die am häufigsten genannten Risiken betreffen physische Gefahren, wie Schäden an Vermögenswerten durch Naturkatastrophen und Übergangsrisiken, wie strengere Regulierungen des CO2-Emissionsausstoßes oder steigende Preise für Rohstoffe und Energie. Hingegen erwähnt nur rund die Hälfte der österreichischen Unternehmen mögliche Chancen, die durch den Klimawandel entstehen könnten. Die am heufigsten berichteten Chancen beziehen sich auf Energieeinsparungen oder Marktchancen durch die Entwicklung energieeffizienter Produkte und Dienstleistungen.