Grünes Öl

Kann grünes Öl eine Alternative für die Heizungsindustrie sein?

Grünes Öl soll die Lösung für einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen im Wärmesektor sein. Ölheizungen könnten damit weiter betrieben werden, wodurch hohe Investitionen in erneuerbare Heizsysteme wegfallen würden. Welche Vor- und Nachteile grünes Öl mit sich bringt.

Von

Erdöl soll zukünftig durch regeneratives Öl ersetzt werden.

Rund 700.000 Ölheizungen, die überwiegend mehr als 20 Jahre alt sind, befinden sich in Österreich derzeit noch im Betrieb. Für die Erreichung der Klimaziele ist klar, dass ein Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen forciert werden muss. Wenn der komplette Ausstieg aus fossilem Heizöl bis 2050 gelingt, bedeutet dies eine jährliche Reduktion von 3,7 Millionen Tonnen CO2, was einem Minus von 4,6 Prozent an den gesamten CO2-Emissionen Österreichs entspricht.

Mehrkosten für Konsumenten

Das bedeutet aber auch, dass die 700.000 bestehenden Ölheizungen ausgetauscht und durch vollkommen neue Heizsysteme ersetzt werden müssen. Für die Hauseigentümer bedeutet das hohe Investitionen, die vom Staat zwar mit einem Raus aus Öl-Bonus von 5.000 Euro unterstützt wird, die Kosten neuer Heizsysteme deckt das aber nicht. Eine Hochtemperaturwärmepumpe mit 20 Kilowatt für ein Einfamilienhaus kostet rund 21.000 Euro. Und das ist nur der Preis für die Wärmepumpe. Installation und weitere Kosten sind noch nicht eingerechnet

Hydrotreted Vegetable Oil als Lösung

Die Forschung arbeitet deshalb intensiv an neuen Wegen um sogenannte green liquid fuels zu erzeugen. Dabei handelt es sich um Öl, das CO2- und geruchsneutral ist. Ein Beispiel dafür ist das Hydrotreted Vegetable Oil HVO. „HVO ist sozusagen synthetisches Heizöl, das zum überwiegenden Teil aus Reststoffen - pflanzlichen und tierischen Fetten und Abfällen – besteht. Es hat keinen Nachteil gegenüber fossilem Heizöl“, erklärt Jürgen Roth, Obmann des Fachverbandes Energiehandel in der Wirtschaftskammer Österreich.

White Paper zum Thema

Bei einer Umstellung auf regeneratives Öl können Öltanks, Öllleitungen und Kamin auch weiterhin genutzt werden. „Die Umstellung von fossilem Heizöl auf Bioöl ist somit nicht nur sehr kostengünstig - es spart bereits Ressourcen bei der Herstellung der Anlagen“, ist Peter Huber, Geschäftsführer von Viessmann Österreich, überzeugt.

Bei Umstellung auf neue Brennwerttechnologie kann Hydrotreated Vegetable Oil im bewährten Heizsystem auch weitergenutzt werden. Das führt laut WKÖ zu einem Einsparungsvolumen, gegenüber den Umstellungskosten auf erneuerbare Energieträger, von 20 Milliarden Euro. „Der Einsatz von HVO ist damit sozial- und standortverträglich“, hält Fachverbandsobmann Roth fest, „ein Umstieg auf andere Energieformen ist nicht notwendig.“ Momentan wird HVO österreichweit in Einfamilienhäusern getestet.

Grünes Öl in Deutschland

Auch in Deutschland beschäftigen sich Forschung und Unternehmen mit grünem Öl. So zum Beispiel der Dresdner Energietechnologie-Anbieter Sunfire. Mit einem Power-to-Liquids-Prozess produziert das Unternehmen mittels Dampf-Elektrolyse einen Erdölersatz. Die mit erneuerbarer Energie betriebene Dampf-Elektrolyse spaltet dabei Wasserdampf in Wasserstoff und Sauerstoff auf. Grüner Wasserstoff kann dann im Power-to-Liquid-Prozess in einen Erdölersatz umgewandelt.

https://youtu.be/Bo5QamZgJiw

Außerdem bietet Sunfire den PowerCore, einen Festoxid-Zellen-Stapel, der zur Wandlung elektrischer Energie in chemische Energie als auch zur Wandlung verschiedener flüssiger und gasförmiger Brennstoffe auf Kohlenwasserstoffbasis in Strom und Wärme genutzt werden kann. Dadurch kann beispielsweise auch grünes Gas erzeugt werden. Die Festoxid-Brennstoffzelle kann dadurch nicht nur mit Wasserstoff sondern auch Erdgas, Biogas und Flüssiggas betrieben werden.

Geringerer Verbrauch der Ölheizung

„Heutige Öl-Brennwertkessel haben die Zukunft mit Bioöl bereits eingebaut“, erläutert Peter Huber. Die diese Öl-Brennwertkessel sind bereits ab Werk auf einen Umstieg von ausschließlich fossilem Öl auf Bioöl vorbereitet und können damit auch mit regenerativen Energieträgern betrieben werden. Laut Huber ist die Anschaffung eines neuen Brennwertkessels noch dazu ein aktiver Beitrag zu Ressourceneffizienz und Energieeinsparung: „Der Verbrauch sinkt dadurch um bis zu 40 Prozent. Mit einem unschlagbar hohen Wirkungsgrad wird das eingesetzte Bioöl bis zu 98 Prozent in Wärme umgewandelt.“ Die ersten Ergebnisse der Tests scheinen vielversprechend. „HVO liegt bei allen Emissionen - CO, NOx, CO2, O2, Ruß - deutlich unter den gesetzlichen vorgeschriebenen Grenzwerten“, so Huber. 

Ablenkungsmanöver der Ölindustrie

Die Erneuerbare Energie Österreich sieht den Trubel um grüne Brennstoffe indes kritisch: „Wenn der Vorsitzende des Fachverbandes Energiehandel meint, dass man sich das bestehende Öl-Heizsystem nicht schlechtreden lassen soll, dann blendet er offensichtlich bewusst die katastrophalen Beiträge der Ölheizungen zum Klimawandel aus“, so Peter Püspök, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich EEÖ. Die Herstellungskosten von HVO sollen deutlich über erneuerbaren Wärmetechnologien liegen und somit eine wesentliche Verteuerung bei Ölheizungen bedeutet. Außerdem soll HVO nur dann effizient arbeiten können, wenn ein neuer, effizienter Kessel installiert wird. Damit geht eine Investition her, die laut Püspök gleich in den Umstieg auf Erneuerbare investiert werden sollte.

Der EEÖ-Präsident kritisiert außerdem den hohen Strombedarf von HVO. Für die Erzeugung des grünen Öls werden große Mengen an erneuerbarer Energie benötigt, die Österreich derzeit noch nicht zur Verfügung stellen kann. „Aus all diesen Gründen ist das Versprechen von sauberen Ölheizungen eine Irritation der Konsumenten. Für die Abdeckung des Heizbedarfes mit erneuerbaren Energien gibt es zum Beispiel in Form von Pellets, Hackschnitzel, Solarenergie oder Wärmepumpen ausreichend Lösungen, die auch kostengünstiger sind“, so Peter Püspök. „Wir sind zuversichtlich, dass die Experten in der Politik dieses Ablenkungsmanöver vom Ölheizungsausstieg als untauglichen Rettungsversuch einer auslaufenden Technologie erkennen werden“, schließt Peter Püspök.

Verwandte tecfindr-Einträge