Energiewende

Gasbranche will bei Energiewende mitmischen

Die Gasbranche will den Umstieg Richtung CO2-freie Energie unterstützen. Eine Systemumstellung durch Strom und Gas soll günstiger und umweltfreundlicher sein.

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Grünes Gas soll die Energiewende unterstützen. 

Die heimische Gasbranche möchte mithilfe von grünem Gas bei der Umstellung Richtung CO2-freier Energie mitmachen - unter Nutzung des vorhandenen 44.000 Kilometer langen Gasverteilnetzes. Eine Systemumstellung durch Strom und Gas wäre pro Jahr fast drei Milliarden Euro billiger als eine auf Strom fokussierte Variante, ergab eine Studie. Für Biogasanlagen sollte es nicht-diskriminierende Förderungen geben.

Grünes Gas könnte dabei helfen, den Strom-Erzeugungsüberschuss vom Sommer in den Winter zu transferieren, um dort die Bedarfslücke zu schließen. "In den Gasspeichern bringen wir den Stromverbrauch eines ganzen Jahres unter", betont Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas-Wärme. Die saisonale Flexibilitätslücke im Jahresverlauf wird dabei mit elf Terawattstunden an elektrischer Energie angenommen. Gasspeicher seien "die Batterie des Landes", sie könnten mit 93,2 Terawattstunden 30 mal so viel speichern wie alle Pumpspeicherkraftwerke zusammen. Der Speicherbeitrag von Elektroautos wäre demgegenüber sehr gering, betont Weinelt.

In Österreich gebe es großvolumige Gasspeicher mit über acht Milliarden Kubikmeter Volumen. Für die Erzeugung von einer Milliarde Kubikmeter Gas sind laut Weinelt bei 50 Prozent Wirkungsgrad zwei Terawattstunden Strom nötig, realistisch sind 60 Prozent. Bis 2050 wird für grünes Gas eine Jahresmenge von zwei Milliarden Kubikmeter für möglich gehalten, das 40-Fache wie die 50 Millionen Kubikmeter des Jahres 2020. Drei Viertel dürften 2050 auf synthetisches Methan entfallen, der Rest überwiegend auf Biomethan, hat eine 2018 an der Johannes-Kepler-Universität erstellte Studie ergeben.

Biogasanlagen müssen unterstützt werden

Für eine sinnvolle Einbindung der bestehenden knapp 300 Biogasanlagen sei eine Gleichbehandlung nötig, etwa bezüglich der Erdgasabgabe und auch bei Mobilitätssteuern. Bei einem bundesweiten Fördermechanismus, der zur Einspeisung von Erneuerbarem Gas in die Gasnetze erforderlich sei, gehe es um ein marktnahes Fördermodell mit Ausschreibungen und Marktprämien. Ein Quotenmodell lehne man ab, so der Fachverbandsobmann. Auch wenn man die Haupteinsatzmöglichkeiten für das Gas hauptsächlich bei Industrie, Gebäuden und Gütertransport sieht, will man auch bezüglich Pkw aufklärerisch wirken, nämlich dass Erdgas, weil leichter als Luft, auch in Garagen kein Problem darstelle: "Gasbetriebene Fahrzeuge stellen keine größere Gefahr dar als Diesel oder Benziner", so Weinelt.

Bis zum Jahr 2050 käme ein Dekarbonisierungspfad, der im wesentlichen auf Elektrifizierung setzt, volkswirtschaftlich kumuliert um 56 Milliarden Euro teurer als ein Pfad mit weitgehender Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur, stellt eine Studie von Navigant Energy Germany im Auftrag des Fachverbands fest. Einander gegenübergestellt wurde ein Stromszenario einem Gasszenario. Ein All-Electric-Weg - eine Elektrifizierung ohne Nutzung der Gasinfrastruktur - wurde als unrealistisch und unverhältnismäßig teuer verworfen.

Versorgungssicherheit durch Gas

Das Stromszenario weist laut Navigant höhere Nachfragespitzen auf - und auch eine höhere Residualnachfrage, also einen nicht über Erzeugung oder Ausspeicherung gedeckten Bedarf. Deshalb wären in dem Fall mehr konventionelle Stromerzeugung und auch Reservekapazitäten als Puffer für unvorhergesehene Lastspitzen nötig. Das Gasszenario zeichne sich durch ein glatteres Lastprofil und weniger Bedarf an konventioneller Erzeugung aus, erläuterte Navigant-Direktor Carsten Petersdorff. Dafür sei hier der Bedarf nach Power-to-Gas-Erzeugung höher, wobei die Produktion von grünem Gas durch eine höhere Auslastung der Anlagen zur Wasserstoffgewinnung durch Elektrolyse effizienter wäre als im Stromszenario.

Für das Jahr 2050 ist laut Navigant im Stromszenario die benötigte Leistung mit 60 Gigawatt um fünf Gigawatt höher als im Gasszenario. Getrieben ist das der Studie zufolge vor allem durch benötigte konventionelle Erzeugungskapazität, die über Gaskraftwerke aufgrund von deren vorteilhafter Verfügbar-, Abruf- und Steuerbarkeit sowie über KWK-Anlagen mit geringeren spezifischen Emissionen bereitgestellt werde. Beim Stromszenario wäre die direkte Nachfrage nach Elektrizität im Jahr 2050 mit 89 Terawattstunden höher als im Gasszenario. Als Grund genannt wird die hier vorausgesetzte Elektrifizierung im Gebäudesektor über Wärmepumpen sowie im Industriesektor. Der Transportsektor verwendet laut beiden Szenarien gleichermaßen über Power-to-Liquid erzeugte synthetische Kraftstoffe. (apa/red)

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