Fridays for Future

Fridays for Future sind eine Chance für Energie-Unternehmen

Tausende Schüler setzten sich heute innerhalb des Klimastreiks für ihre Zukunft ein. Während einige wenige Energie-Verbände die Jugendlichen unterstützen, werden sie vom Rest der Industrie belächelt oder schlichtweg ignoriert. Damit könnten Unternehmer sich potenzielle Kunden vergraulen.

Tausende Schüler streiken wöchentlich für den Klimaschutz.

Schon zum 15. Mal gingen die Wiener Schüler heute auf die Straße und sprachen sich für eine ambitioniertere Klimapolitik aus. Und auch in den anderen Landeshauptstädten wurde fleißig unter dem Motto „Fridays for Future“ gestreikt. Wer hätte gedacht, dass es noch junge Menschen gibt, die sich mit politischem Interesse für die Zukunft einsetzen? Während meine Generation, die Generation Y, als realitätsfern gilt und eigentlich nur mit sich selbst und dem eigenen Instagram-Auftritt beschäftigt ist, kommt nun eine Generation, die mit Stolz behaupten kann, sich für ihre Zukunft einzusetzen.

Greta, die Klimastreik-Ikone

Allen voran steht die Schwedin Greta Thunberg, die Initiatorin der Klimastreiks. Die 16-jährige hat erstmals auf der COP24 in Katowice Aufsehen erregt, als sie den Politikern erklärte wie Klimapolitik auszusehen hat. Am 20. August 2018 stellte sie sich das erste Mal mit einem Schild vor den Schwedischen Reichstag in Stockholm und protestierte für das Klima. Um ihre Botschaft zu verbreiten, scheut Klimaaktivistin Greta Thunberg auch nicht vor öffentlichen Auftritten im Ausland zurück. Tausende Schüler versammelten sich heute im Invalidenpark in Berlin, um der Fridays for Future-Initiatorin zu lauschen. Unter den Teilnehmenden dieser Veranstaltung ist auch Luisa Neubauer, das deutsche Gesicht der Klimastreiks. Vor dem Brandenburger Tor, wo bereits Größen wie John F. Kennedy und Ronald Reagan in die Geschichtsbücher eingegangen sind, hält Greta Thunberg ihre Rede. "Wir sollten in Panik geraten. Und damit meine ich, dass wir aus unserer Komfortzone heraustreten müssen. Denn wenn du in einer Krise bist, musst du dein Verhalten ändern", appelliert die junge Schwedin an ihre Fans. Angereist ist Greta selbstverständlich mit dem Zug. Sie will noch bis Sonntag in Berlin bleiben und plant unter anderem den Besuch des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Mittlerweile hat es die Gründerin der Bewegung geschafft wöchentlich weltweit zahlreiche Jugendliche zur Demonstration zu bewegen.

https://youtu.be/Q0XUur_W67Y

Die bisher größte Fridays for Future Demonstration fand am 15. März statt, als über 1,6 Millionen Schüler für den Klimaschutz streikten. In rund 125 Ländern gingen sie auf die Straßen und wurden laut. Nicht jeder Freitagsstreik ist von so einer großen Teilnehmerzahl geprägt, doch die Beteiligten bleiben dran. Freitag für Freitag werden erneut Plakate in die Luft gehalten, Parolen gerufen und Fehlstunden gesammelt. Und genau das ist Politik und Eltern ein Dorn im Auge. Anstatt das Engagement der Jugendlichen zu unterstützen, droht den Streikenden nun Geldstrafen. Bis zu 400 Euro können fällig werden, wenn ein Schüler mehr als 30 Schulstunden unentschuldigt versäumt. Im Ernstfall kann sogar der Schulplatz verloren gehen.

https://youtu.be/EhdfxYILjt4

Politik im Zwiespalt

Die Sozialistische Jugend forderte deshalb nun zusätzlich zwei freie Schultage pro Jahr für Schüler ab 16 Jahren. Michael Raml von der FPÖ hält davon wenig: „Wir freuen uns über jedes politische Engagement von Jugendlichen, jedoch betrachten wir es als sinnvoller, wenn sich Schüler im Unterricht über den Klimawandel Gedanken machen. Außerhalb der Unterrichtszeiten steht es ohnehin jedem frei, an Demonstrationen und Kundgebungen teilzunehmen.“

Diese Ansicht teilt Christian Lindner, Chef der Freien Demokratischen Partei FDP in Deutschland. „Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis“, twittert der FDP-Chef vor kurzem. Während des Wahlkampfs klang das aber noch ganz anders: „Schulranzen verändern die Welt. Nicht Aktenkoffer“ prangte auf Lindners Plakat. Anstatt mit ihren Demonstrationen ein Zeichen zu setzen, sollten die Schüler lieber brav die Schulbank drücken. In ihrer Freizeit stehe ihnen frei, was sie machen, meint Lindner. Dabei hätten die Streikenden es wohl kaum zu so viel Aufmerksamkeit gebracht, wenn sie samstags über die Mariahilfer Straße gezogen wären.

https://youtu.be/J0wlZiLEGvg

In vielen Schulen werden deshalb beide Augen zugedrückt und keine Fehlstunden geschrieben. So auch in der Windrather Talschule in Nordrhein-Westfalen. Dort appellierte die Schulgemeinschaft nun auch an Ministerpräsident Armin Laschet und Schulministerin Yvonne Gebauer: „Wir, die Schulgemeinschaft der Windrather Talschule, möchten in diesem offenen, einigen Medien zugestellten Brief bekunden, dass wir der in dieser Weise erhobenen Forderung, die verbunden sein kann mit Strafen und Strafandrohungen für betroffene Schülerinnen und Schüler beziehungsweise deren Eltern, nicht nachkommen wollen und können“, heißt es in dem offenen Brief und weiter: „Wir sind uns der bestehenden Schulpflicht bewusst, vermissen aber eine rechtlich belastbare Abwägung dieser Verpflichtung mit den Zukunftsinteressen der nachwachsenden Generation. Die UN-Kinderrechtskonvention und ebenso die UN-Behindertenrechtskonvention halten dazu an, bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, im Konflikt unterschiedlicher Interessen das Wohl des Kindes vorrangig zu berücksichtigen.“ Die Schulleitung und das Kollegium der Windrather Talschule sehen sich als mitverantwortlich für den Grund des Schulstreiks: Die Klimaerwärmung.

Energie und Industrie sind hauptverantwortlich

Laut Umweltbundesamt ist die Durchschnittstemperatur in Österreich seit der Industrialisierung um zwei Grad gestiegenen. Gemeinsam mit dem Energiesektor ist die Industrie maßgeblich für den österreichischen CO2-Ausstoß verantwortlich. Rund 37 Prozent der Emissionen stammen aus Energie und Industrie. Weitere 29 Prozent entfallen auf den Verkehr und jeweils zehn Prozent auf Landwirtschaft und Gebäude. Insgesamt beliefen sich die Gesamtemissionen des Sektors Energie und Industrie 2017 auf 37 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent.

Die wöchentlichen Klimastreiks ziehen an der Industrie aber nicht spurlos vorbei. Aus dem Energiesektor erhalten die jungen Demonstrierenden teilweise sogar Unterstützung: Die Interessensvertretung Photovoltaic Austria bedankt sich via Twitter bei den Streikenden und auch der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich zeigt sich über die Plattform erfreut über die hohe Teilnehmerzahl des Klimastreiks. Diese nette Geste ist außerordentlich geschickt, handelt es sich bei den Streikenden doch um die Kunden der Zukunft und eine Zielgruppe, die in erneuerbare Energie investieren wird. Fraglich ist deshalb warum sich nicht viel mehr Unternehmen anschließen und die jungen Menschen unterstützen. So wie die Politik Gefahr läuft, sich mit ihrer Ignoranz gegenüber der Jugendlichen die Wähler der Zukunft zu vergraulen, könnten auch Unternehmen potenzielle Kunden abschrecken. Nicht nur die Streikenden selbst, auch deren Eltern dürften eine höhere Bereitschaft aufweisen, in Erneuerbare zu investieren. Ein gefundenes Fressen für Marketingstrategen.

https://youtu.be/Ivro-uZVia4

Mit dem Klima- und Energiepaket hat sich die EU zum Ziel gesetzt die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren. Außerdem geht es in dem Paket um die Eindämmung der globalen Durchschnittstemperatur Dafür bräuchte es aber ambitionierte und vor allem sofortige Maßnahmen in allen Sektoren. Für Unternehmer lohnt sich die Investition in umweltschonendere Technologien meist nicht und auf einen freiwilligen Umstieg, der aus eigener Tasche bezahlt wird, werden sich die wenigsten einlassen. Bis es hier zu spürbaren Veränderungen kommt, werden die Schüler hoffentlich weiter streiken.

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