Vertical Farming

Fassade zum Frühstück

Dass grüne Fassaden in Städten als natürliche Klimaanlage dienen können, ist mittlerweile bekannt. Nun sollen Gebäudefassaden sogar zu Anbaufläche für Obst und Gemüse werden.

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Obst und Gemüse soll zukünftig vertikal wachsen – in ausrangierten Hochhäusern sowie auf Gebäudefassaden.

Eine grüne Fassade kühlt die Umgebungstemperatur ab, spendet Schatten und schmeckt gut – zumindest nach dem Konzept des Vertical Farmings. Dabei werden Obst und Gemüse auf vertikalen Flächen angebaut. Das kann einerseits in ausgedienten Fabriken und Wolkenkratzern passieren, Vertical Farming kann aber auch direkt auf der Fassade eines Gebäudes realisiert werden. 

Gemüse-Trays dienen als Wärmedämmung

Die TU Graz und das Vertical Farm Institute in Wien arbeiten momentan intensiv an der Umsetzung der Fassadenfarm. Die Forscher haben bereits Pflanzenkörbe, sogenannte Trays, entwickelt, die regelmäßig mit Nährstoffen und Wasser geflutet werden. Diese Trays können dann an Außenfassaden befestigt werden und dort als Wärmedämmung dienen. Zusätzlich können sie in südlich oder westlich ausgerichteten Räumen für Beschattung und gutes Raumklima sorgen. „Es gibt hier einige Konzepte und wir arbeiten daran, diese zu optimieren. Ideal wäre es natürlich, wenn man eine solche Farm bei einem Neubau mitplanen würde. Man kann sie aber auch in bestehende Gebäude integrieren“, so Sebastian Sautter vom Vertical Farm Institute und Mitarbeiter des Instituts für Gebäude und Energie der TU Graz.

Die Integration von Obst und Gemüse in die Fassade ist aber nicht ganz unkompliziert. Je höher ein Gebäude ist, umso stärker sind auch Windgeschwindigkeit und Temperaturunterschiede. Die Pflanzen müssen daher sehr robust sein. Gleichzeitig sollen sie möglichst rund um das Jahr gedeihen, da eine immergrüne Fassade optisch ansprechender ist als eine Gebäudefassade übersät mit vertrockneten Salaten.

Nahrung aus dem Reaktor

Die Lösung dafür wollen Forscher der Fachhochschulen Kaiserslautern, Trier, Augsburg und der Technischen Universität Kaiserslautern gefunden haben. Innerhalb des Projekts Next Generation Biofilm NGB setzen sie auf terrestrische Mikroalgen. An den Agrarflächen der Zukunft, den Gebäudefassaden, sollen die Algen emporwachsen und später als Lebensmittel, Rohstoff für die Kosmetikindustrie oder Wirkstoff in der Pharmazie und Medizin genutzt werden. Gezüchtet werden die Algen in Bioreaktoren, die in die Gebäudefassade integriert werden können. In den Reaktoren werden die Mikroalgen mit Nährstoffen gefüttert und können nach kurzer Zeit geerntet werden. Die Forscher des Projekts NGB arbeiten derzeit noch an der endgültigen Reaktortechnologie und an Möglichkeiten die Bioreaktoren bestmöglich in urbane Umfelder zu integrieren.

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