Warming Stripes

Farben statt Zahlen: Wie ein Strichcode die Erderwärmung verdeutlicht

Mit der Klimaspirale machte der Klimawissenschaftler Ed Hawkins bereits vor einigen Jahren Schlagzeilen. Seine Warming Stripes sollen die globale Erderwärmung nun noch deutlicher darstellen. Wie die Industrie den Strichcode beeinflussen kann.

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Die Warming Stripes von Ed Hawkins stellen die globale Erwärmung anhand eines Strichcodes dar.

Anfangs noch in sanftem Blau gehalten erstrahlen die schmalen Linien gegen Ende hin in bedrohlichem Rot: Die Warming Stripes, übersetzt Wärmestreifen, des britischen Klimawissenschaftlers Ed Hawkins visualisieren das rasche Voranschreiten des Klimawandels. Hawkins ist Professor für Meteorologie an der südenglischen University of Reading und forscht außerdem am Nationalen Zentrum für Atmosphärenwissenschaft NCAS. In seinem Wissenschaftsblog Climate Lab Book veröffentlicht er seine Grafiken zur Darstellung der Erderwärmung.

Klimaspirale ging viral

Bereits vor zwei Jahren machte der Brite mit der Klimaspirale Schlagzeilen. Dabei handelt es sich um eine interaktive Visualisierung der Erderwärmung, welche den raschen Anstieg der Erdmitteltemperatur verdeutlicht. In der Grafik hat Hawkins die Abweichungen der Temperatur vom langjährigen Durchschnitt in Kreisform dargestellt. Jeder Monatswert seit 1850 ist in der Grafik festgehalten. Zu Beginn sind die Kreise der einzelnen Jahre noch sehr eng aneinandergereiht. Ab 1940 und nochmals ab 1970 werden die Ringe jedoch deutlich größer und formen sich zu einer weiten Spirale. 

https://youtu.be/wXrYvd-LBu0

Die Grafik zeigt wie gefährlich Nahe wir dem Anstieg der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius bereits sind und wie stark die Temperatur seit dem vorindustriellen Niveau angestiegen ist. Die Spirale wurde im Mai 2016 veröffentlicht und ging kurz danach auf den sozialen Netzwerken viral. Der Server von Hawkins Blog brach teilweise sogar zusammen, weil ihn zu viele User aufrufen wollten. Die Washington Post betitelte die Klimaspirale sogar als die "fesselndste Klimagrafik aller Zeiten".

Neues Schema

Mit dem bunten Strichcode hat Ed Hawkins den Temperaturanstieg nun noch deutlicher dargestellt. Die Grafik ist nochmals deutlich vereinfacht und somit für jeden Laien verständlich. "Die Idee war es ein visualisiertes Design zu erstellen, welches die globalen Temperaturveränderungen so einfach wie möglich darstellt", so Hawkins gegenüber HLK.

Es handelt sich bei den Warming Stripes um einen farbigen Strichcode, der, je nach Daten, die Temperaturverläufe in verschiedenen Regionen oder auch global darstellt. Das Prinzip ist simpel: Jeder farbige Strich stellt ein Jahr dar. Jahre, die verglichen zum langjährigen Temperaturdurchschnitt besonders kühl waren, werden als dunkler Blauton dargestellt. Besonders warme Jahre werden als roter Strich visualisiert. Auf seinem Blog hat Ed Hawkins bereits mehrere Warming Stripes-Grafiken erstellt. So stellt er zum Beispiel die Temperaturdaten in Mittelengland seit 1772 oder in Toronto seit 1841 dar. Seit kurzem gibt es auch eine Grafik für Deutschland.

© Ed Hawkins/Climate Lab Book

In Deutschland steigt die Temperatur weiterhin stark an.

Die Grafik visualisiert die Durchschnittstemperatur für Deutschland zwischen 1881 und 2017. Basis sind die Erhebungen des Deutschen Wetterdienstes DWD. Die zum Ende hin dunkelrot werdenden Streifen machen deutlich wie stark die Durchschnittstemperatur in Deutschland in den vergangenen Jahren angestiegen ist.

Industrie muss handeln

Mittlerweile liegt die CO2-Konzentration mehr als 45 Prozent über den Werten des vorindustriellen Zeitalters. CO2 entsteht vor allem bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie weiteren Industrieprozessen. Energiesektor und Industrie bilden laut Umweltbundesamt die größten Emissionsquellen. Der steigende Energiebedarf in China und Indien lässt den Gesamtbedarf in die Höhe schnellen und erschwert den Umstieg auf erneuerbare Energie. Wissenschaftlern des Zentrums für Internationale Klima- und Umweltforschung in Oslo zufolge wächst vor allem der Energiebedarf in Transport und Verkehr zu schnell, um diesen mit Erneuerbaren ausgleichen zu können. 

Gleichzeitig ist der Umstieg auf nachhaltige Energiequellen unumgänglich, um die Pariser Klimaziele einhalten zu können. Mit erneuerbaren Energieträgern und Gewerbespeicher kann zumindest ein Teil der benötigten Energie nachhaltig erzeugt und der CO2-Ausstoß damit verringert werden. Auch die Nutzung der Abwärme aus industriellen Prozessen spart Energie und Treibhausgasemissionen ein. Mit dem Umstieg auf nachhaltigere Heiz- und Energiesysteme könnten sich die Warming Stripes in Zukunft wieder etwas heller färben.

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