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F-Gase-Report der Europäischen Kommission sorgt für Verwirrung

Der Ende September von der EU-Kommission veröffentlichte Bericht zu fluorierten Treibhausgasen verunsichert die Branche. Der Report deutet an, dass F-Gase in neuen Single-Split-Klimaanlagen völlig vermieden werden können.

Kältetechnik Kälte-/Klimatechnik Kältemittel EPEE Propan R32

Ein zu spät veröffentlichter Bericht der EU-Kommission sorgt für Verwirrung. 

"The availability of refrigerants for new split air conditioning systems that can replace fluorinated greenhouse gases or result in a lower climate impact" lautet der sperrige Name des von der Europäischen Kommission im September veröffentlichten Berichts. In der HLK-Branche sorgt der Bericht nun für Verwirrung, da er andeutet, dass die Verfügbarkeit von Propan (R290) es technisch möglich macht, F-Gase in neuen Single-Split-Klimaanlagen mit einer Kühlleistung unter sieben Kilowatt zu vermeiden.

Beschlossene Sache?

Die Europäische Partnerschaft für Energie und Umwelt (European Partnership for Energy and the Environment, EPEE), die die europäische Kälte-, Klimaanlagen- und Wärmepumpenindustrie vertritt, sagt, dass der Bericht zu Verwirrung auf dem Markt geführt hat, da sich die Interessenvertreter fragen, ob er bereits eine Entscheidung der Europäischen Kommission im Rahmen des gesamten Überprüfungsprozesses widerspiegelt.

EPEE besteht darauf, dass der Bericht der Europäischen Kommission nur einer von mehreren Berichten ist, die nach der bestehenden Verordnung zur Bewertung bestimmter Vorschriften erforderlich sind - in diesem Fall der GWP-Grenzwert von 750 für Split-Klimaanlagen unter drei Kilogramm Füllmenge. "Mit anderen Worten, er spiegelt keine Entscheidung der Europäischen Kommission oder einer anderen Institution wider. Er bestätigt lediglich, was bereits weithin bekannt ist: Der Markt für solche Geräte hat sich weitgehend auf R32 umgestellt und daher ist die Bestimmung selbst nicht durch einen Mangel an Alternativen für Split-Klimaanlagen unter drei Kilogramm Füllmenge gefährdet", sagt EPEE in einer heute veröffentlichten Erklärung.

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Propan ist nicht überall geeignet

EPEE warnt auch vor bestimmten Schlussfolgerungen, die von der Europäischen Kommission geäußert wurden: "Der Bericht stellt fest, dass es technisch möglich erscheint, F-Gase heute in neuen Single-Split-Klimaanlagen mit einer Kühlleistung unter sieben Kilowatt zu vermeiden und stattdessen Propan zu verwenden. Doch zunächst einmal geht aus dem Bericht nicht klar hervor, wie die Europäische Kommission zu dieser Schlussfolgerung kommt, da keine entsprechende Folgenabschätzung durchgeführt wurde. Außerdem bedeutet 'technisch möglich' nicht, dass die Verwendung von Propan aus Sicht der Sicherheit und Energieeffizienz für alle möglichen Kombinationen von Innen- und Außengeräten und unterschiedlichen Rohrleitungslängen machbar ist".

Der Bericht der Kommission stützte sich weitgehend auf die Ergebnisse einer Studie des deutschen Büros für Umweltforschung Öko Recherche. Die Veröffentlichung des Berichts der Europäischen Kommission war eine Forderung der F-Gas-Verordnung (517/2014), aber ihr Zeitpunkt wurde in Frage gestellt. Gemäß Artikel 21 (4) verpflichtete sich die Kommission, einen Bericht zu veröffentlichen, "in dem bewertet wird, ob es kostengünstige, technisch machbare, energieeffiziente und zuverlässige Alternativen gibt, die den Ersatz fluorierter Treibhausgase in neuen Mittelspannungs-Sekundärschaltanlagen und neuen kleinen Single-Split-Klimaanlagen ermöglichen". Dieser sollte "spätestens bis zum 1. Juli 2020" abgeschlossen sein. Der Bericht erschien aber am 30. September, drei Wochen nachdem das Fenster für Rückmeldungen der Interessengruppen zur Überprüfung geschlossen wurde.

Lange Prüfung

EPEE erklärt, dass die Überprüfung der europäischen F-Gas-Verordnung ein komplexer Prozess ist, an dem die drei europäischen Institutionen - EU-Kommission, EU-Parlament, Rat der EU - und Interessenvertreter beteiligt sind. Die Europäische Kommission, in diesem Fall die GD CLIMA, entwickelt einen ersten Vorschlag, der dann im Parlament und im Rat debattiert wird. In jeder Phase werden die Interessengruppen einbezogen, und am Ende des Prozesses müssen sich die drei Institutionen auf eine gemeinsame Fassung einigen.

Als nächster Schritt wurde eine öffentliche Konsultation eröffnet, die nun bis Ende des Jahres läuft. Parallel dazu hat die Öko-Recherche mit ihrer Evaluierungsarbeit und Modellierung begonnen, die voraussichtlich mehrere Monate dauern und wieder Rückmeldungen von Interessengruppen einbeziehen wird. Alle Elemente zusammen werden die Grundlage für die Europäische Kommission bilden, um ihren Vorschlagsentwurf für eine überarbeitete Fassung der F-Gas-Verordnung zu entwickeln.