Fachkongress

Erstes Österreichisches Wärmepumpenforum: Potenziale und Zukunftsperspektiven

140 Teilnehmer, hochkarätige Vortragende, eine Ausstellung renommierter Anbieter und viel Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch – das alles bot das Erste Österreichische Wärmepumpenforum, das am 3. November im Energie AG PowerTower in Linz stattfand.

Heizungstechnik

„Geschäftsmodell Energieeffizienz – die Wärmepumpe als Schlüssel zum Handel(n)“ lautete der Titel des Kongresses, der von WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH mit den Zeitschriften PUNKTUM, TGA und HLK in Kooperation mit dem Verband Wärmepumpe Austria und VDI Österreich veranstaltet wurde.

Die Begrüßung und Eröffnung des Kongresses nahmen Dr. Leo Windtner (Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich), Richard Freimüller (Verbandspräsident Wärmepumpe Austria), der auch die Moderation der Veranstaltung übernommen hatte, sowie Manfred Krejci (Verlagsleiter der WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH) vor.

Der PowerTower der Energie AG ist, wie Leo Windtner in seinem Eröffnungsstatement unterstrich, ein vorbildhaftes Bauwerk, das mit nachhaltigen, zukunftsweisenden Technologien (u.a. einer kombinierten Wärmepumpen-Anlage) errichtet wurde, wie Oberösterreich hierzulande generell eine Vorreiterrolle im Einsatz von Wärmepumpen einnimmt.

Energie- und Klimaziele: Effizienzsteigerung als Schlüssel

Den Reigen der Vorträge eröffnete Mag. Dr. Michael Losch (Sektionschef der Sektion III Energie und Bergbau im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft), der in seiner Keynote eingangs betonte, dass die Wärmepumpe geradezu ein Symbol für Energieeffizienz ist. Globale Veränderungen im Zusammenhang mit Erneuerbaren Energien, dem steigenden Stromanteil am Energiemix und Trends hin zu Smart Grids, Smart Cities und Prosumern (Endverbraucher, die zu Energieerzeugern werden) dürften dazu führen, dass die Kosten des Faktors Energie in Relation zu jenen der Systemkomponenten sinken.

Mag. Dr. Michael Losch (Sektionschef der Sektion III Energie und Bergbau im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft)

Veränderte energiepolitische Ziele (so z.B. die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 40 % gegenüber dem Stand 1990) erfordern ein koordiniertes, gemeinsames Vorgehen in der Energie- und Klimastrategie. Energieeffizienz spielt dabei eine wichtige Rolle hinsichtlich der Versorgungssicherheit ebenso wie im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und die Nachhaltigkeit (CO2-Absenkung). Was es bedeutet, die richtigen „Hebel“ in Bewegung zu setzen, zeigt das Beispiel „Thermische Sanierung“: 1 Mio. Euro Förderung löst durchschnittlich 8 Mio. Euro Investitionsvolumen aus, was wiederum jährlich durchschnittlich 8.000 Arbeitsplätze sichert. Österreich ist auf einem guten Weg, was die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen betrifft. Die Schaffung von Investitionssicherheit und -anreizen, wettbewerbsfähige Preise, Digitalisierung, Fördereffizienz und Verwaltungsvereinfachung zählen dabei zu den wesentlichen Punkten der Energie- und Klimastrategie aus standortpolitischer Sicht.

Das Stromnetz zukunftsfit machen

In einer weiteren Keynote beschäftigte sich Dr. Leo Windtner mit dem Thema „Energieversorgung im Spannungsfeld von Energieeffizienz,

Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit“. Im Rahmen einer Energie- und Klimastrategie 2030 gilt es, energiepolitische Zielvorgaben wie Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit, Atomausstieg, Wettbewerbsfähigkeit und Leistbarkeit ausgewogen aufeinander abzustimmen. Versorgungssicherheit ist nicht selbstverständlich: So muss etwa das Stromnetz für die zunehmende Dezentralität zukunftsfit gemacht werden. Das erfordert hohe Investitionen, entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen und die „Sozialisierung“ der Netzkosten. Um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, braucht es eine koordinierte Energiepolitik.

Dr. Leo Windtner (Generaldirektor der Energie AG Oberösterreich)

Dabei gilt es, wie Windtner ausführte, Förderstrukturen zu überdenken, Kostenwahrheit zu schaffen, ebenso wie Anreize für Erzeugungskapazitäten (Beispiel: der weitere Wasserkraftausbau), aber auch den Netzaus- und -umbau voranzutreiben, der mit dem Ausbau der volatilen Energieerzeugung nicht Schritt hält, und die Energieeffizienz als wesentliche Säule zu stärken. Wärmepumpen stellen da ein Instrumentarium mit hoher energetischer Effizienz dar und nehmen eine zentrale Stellung in Niedrigenergie- und Passivhäusern, im Neubau und bei Sanierungen ein.

Energiesparziele übertroffen

Der österreichische Weg im Zusammenhang mit dem Energieeffizienzgesetz war das Thema von DI Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, die auch die Agenden der Monitoringstelle übernommen hat. Die Bilanz für das Jahr 2015: Bei der Monitoringstelle sind mehr als 16.000 Meldungen von Maßnahmen eingegangen. Energielieferanten mussten Energieeffizienzmaßnahmen im Ausmaß von 0,6 % ihrer Energieabsätze des Jahres 2014 nachweisen. Dabei wurde das Energiesparziel von 5,5 PJ mit 13,8 PJ tatsächlich gemeldeter Energieeinsparungen um 149 % übertroffen.

DI Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur

40 % der von verpflichteten Energielieferanten gemeldeten Maßnahmen müssen in österreichischen Haushalten wirksam sein. Hier wurde die angepeilte Haushaltsquote von 2,2 PJ mit tatsächlich gemeldeten Einsparungen im Ausmaß von 7,4 PJ sogar um 236 % übertroffen. Der Großteil gemeldeter Einsparungen, nämlich 36 %, wurde mithilfe effizienter Heizsysteme erzielt. Peter Traupmanns Fazit: Das Energieeffizienzgesetz bedeutet nicht nur „Administration“, sondern es setzt wichtige Impulse in Richtung der Beschleunigung des technologischen Wandels, aber auch der Belebung der Märkte für Energiedienstleistungen und Energieeffizienz.

Strategie-Konzept „Empowering Austria“

Dr. Barbara Schmidt (Generalsekretärin Oesterreichs Energie), die sich dem Thema „Die Verpflichteten und die Bedeutung der Wärmepumpe“ widmete, stellte das Stromstrategie-Konzept „Empowering Austria“ vor: Dieses zielt auf den Ausbau der Erneuerbaren Energiequellen Wind, Wasser und Photovoltaik bis 2030 um jeweils 6 bis 8 TWh ab und peilt einen Anteil Erneuerbarer an der inländischen Stromerzeugung von 85 % ebenso an wie den Ausbau von Speicherleistung um 3.500 MW. Das würde eine unabhängige, sichere und ökologische Stromversorgung mit sich bringen, bei Investitionen von ca. 50 Mrd. Euro und der Schaffung von rund 30.000 Arbeitsplätzen. Zugleich könnte damit der gegenwärtige Anteil von 20 % elektrischem Strom am Gesamtendenergieverbrauch auf 33 % im Jahr 2030 steigen. Denn der Stromanteil muss steigen, um die Klimaziele zu erreichen.

Der Bereich Raumwärme birgt Potenziale für Energieeffizienz und das wiederum eröffnet der Wärmepumpe große Chancen. Deren Vorteile:

  • Drei Viertel der Energie gewinnt die Wärmepumpe aus der Umwelt, ein Viertel der Energie wird als Strom bereitgestellt;
  • Wärmepumpen sind vor Ort emissionsfrei;
  • niedrige Betriebskosten;
  • komfortable Wärme, weil raumsparend und einfach handhabbar.
Dr. Barbara Schmidt (Generalsekretärin Oesterreichs Energie)

Im Neubau sind Wärmepumpen bereits stark vertreten, in der Sanierung muss deren Einsatz noch forciert werden – auch angesichts eines hohen Altbestandes an Heizungsanlagen (31 % sind mindestens 20 Jahre alt). Wärmepumpen sind damit auch ein wichtiger Treiber der „Wärme-Wende“. Eine aktuelle Marktforschungsstudie zeigt: 40 % potenzieller Kunden geben eine hohe bzw. gewisse Bereitschaft an, in eine neue effizientere Heizungsanlage investieren zu wollen. Das muss unterstützt werden, indem man Anreize schafft, Dienstleistungen und Produkte weiterentwickelt (Contracting-Modelle, Monitoring) sowie Forschung und Entwicklung vorantreibt für den verstärkten Einsatz von (Groß-)Wärmepumpen in Industrie und Gewerbe.

Energie AG Oberösterreich steht voll zur Wärmepumpe

Über die Potenziale zur Forcierung von Wärmepumpen durch Energieversorger sprach MMag. Michael Baminger, Geschäftsführer Vertrieb der Energie AG Oberösterreich. Die Energie AG blickt auf jahrzehntelanges Engagement für die Wärmepumpe zurück. Die ersten Schritte wurden bereits in den 70er Jahren gesetzt. 1982 schon wurde die Initiative für Wärmepumpen gegründet und 2005 wurde die Fair Energy Partner (FEP) aus der Taufe gehoben. Die Neuausrichtung der FEP vollzog man 2015. Mittlerweile zählt diese Plattform 222 Mitglieder.

MMag. Michael Baminger, Geschäftsführer Vertrieb der Energie AG Oberösterreich

Baminger nennt acht Stellhebel, um die Wärmepumpe zu forcieren. Bekenntnis, Information, Produkte, Innovation, Förderung, Kooperation, Lobbying und Effizienz. Die Information und Kommunikation erfolgt auf mehreren Ebenen, die externen Medien, die internen Medien, die Beratung und das Infomaterial. Verschiedenste Produkte werden von der Energie AG den Kunden nach ihren Bedürfnissen angeboten sowie auch ein eigener Wärmepumpenpreis. Bei den Innovationen sieht sich die Energy AG als Vorreiter und Marktführer bei Smart Metern und smarten Produkten. Die Förderungen für Wärmepumpen reichen von 500 bis 1.500 Euro für Haushalt und Unternehmen im Bereich Neubau und Sanierung. „Wir bringen unsere Expertise aktiv in den öffentlichen Meinungsbildungsprozess ein und dies nicht nur auf Landesebene sondern auch auf Bundesebene. Dazu arbeiten wir mit dem Verband Wärmepumpe Austria zum Abbau von Hindernissen und bei fachspezifischen Diskussionen zusammen“, erklärte Baminger. Für die Energie AG ist die Wärmepumpe ein zentraler Beitrag zur Erreichung der Energieeffizienzziele. Leider sinken die Einsparwerte kontinuierlich und werden derzeit sogar in Frage gestellt. Das Ergebnis der Bemühungen zeigt sich im Markt, denn in keinem Bundesland sind so viele Wärmepumpen installiert wie in Oberösterreich.

Die Wärmepumpe in der Praxis

Stefan Probst, MBA, Bereichsleiter Systemtechnik HLK und Gebäudeautomation der Firma Walter Bösch GmbH und Co KG, stellte den Einsatz von Wärmepumpen im Gesamtsystem an Hand von zwei Praxisbeispielen vor. Im ersten Projekt war der Anspruch des Betreibers einer Tanzschule eine energieeffiziente Anlage, ein hoher Raumkomfort und ein Ansprechpartner für die gesamte HLK Technik. In diesem Fall wurde eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe mit einer Heizleistung von 222 kW und einer Kühlleistung von 192 kW eingesetzt. Diese hocheffiziente Anlage mit Wärmepumpe und passiver Kühlung ist trotz ihrer Komplexität relativ einfach im Aufbau. MSR, Wärmepumpe, Lüftungsanlage und TWW-Speicher wurden von Firma Bösch bereitgestellt.

Stefan Probst, MBA, Bereichsleiter Systemtechnik HLK und Gebäudeautomation, Walter Bösch GmbH und Co KG

Das zweite vorgestellte Projekt, das Sommerbad in St. Pölten, umfasst sechs Luft-Wasser-Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 120 kW. Dazu gehören zwei Spezialpuffer mit speziellen Schichtleitvorrichtungen zur Realisierung von sechs Temperaturstufen, die der Rücklaufanhebung der Beckenbeheizung bzw. der Vorwärmung der Fernwärme dienen. Auch diese hocheffiziente und komplexe Anlage wurde einfach aufgebaut, wobei die beiden individuell gefertigten Pufferspeicher jeweils 2.500 Liter fassen.

Probst sieht die zukünftigen Herausforderungen im Wärmepumpenbereich in der Kombination Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage in Verbindung mit einem intelligenten Energiemanagementsystem (Smart Metering-Smart Grid). Des Weiteren glaubt er an die verstärkte Nutzung der Kühlfunktionen bei Wärmepumpen, wiederum in Kombination mit PV-Lösungen und der Betrachtung der hydraulischen Einbindung und der Speichersysteme bei der Planung von Anlagen, um einen möglichst hohen COP-Wert zu erreichen.

Zentrale und dezentrale Wärmepumpensysteme

Innovative Wärmepumpenlösungen für Mehrparteienobjekte, war das Thema des Vortrages von Karsten Wagner, Key-Account Manager Wärmepumpen und Energieberater von Panasonic. Wagner befasste sich mit dem Thema Wärmepumpe als Niedertemperaturheizsystem und die Energieverluste bei der Warmwasserbereitung im Hochtemperaturnetz. Er stellte das zentrale- dem dezentralen Wärmepumpensystem gegenüber. Seine erste Betrachtung galt der Kombination aus zentraler Wärmeversorgung und dezentraler Warmwasserversorgung bei Reihenhäusern. In diesem Projekt wurde ein zentrales Wärmepumpensystem mit Nahwärme gekoppelt und Brauchwasserwärmepumpen in jedem Haus installiert. Eine Option war die Kombination mit Photovoltaik, hin zu einem Energieplushaus. Das Optimum in dieser Ausführung wäre die Kombination der Brauchwasserwärmepumpe mit dem Abluftsystem.

Karsten Wagner, Key-Account Manager Wärmepumpen und Energieberater von Panasonic

Als zweite Variante stellte er eine zentrale Warmwasserversorgung im Mehrfamilienhaus vor, wobei das Brauchwasser über Schichtenspeicher und großer zentraler Frischwasserstation bereitgestellt wurde. Die Montage der Wärmepumpenaußeneinheiten waren in Kaskade vor dem Haus etabliert. Bei dieser Wärmepumpenanlage wird der Energieverbrauch durch niedrige Vorlauftemperaturen im Heizsystem reduziert. Der Nachteil liegt in der permanenten Zirkulation und den hohen Systemtemperaturen im oberen Teil des Schichtenspeichers für die Brauchwassererwärmung. Als letztes Beispiel zeigte Wagner eine dezentrale Warmwasserversorgung im Mehrfamilienhaus über eine Wohnraumzentrale. Die Vorteile einer solchen Wohnraumzentrale liegen in der anschlussfertigen kompakten Bauweise, einer hygienisch dezentralen Trinkwasserversorgung, in geringeren Volumenströmen und Leistungsspitzen im Netz, in kostengünstiger Installation des Rohrnetzes, einer bedarfsgerechten Regelung der Warmwassertemperatur und einer Energieeinsparung durch Temperaturabsenkung. Der Nachteil, keine Kühlfunktion über Flächenheizsystem möglich.

Gas-Hybrid Wärmepumpe

Über eine außergewöhnliche Wärmepumpenart informierte Dipl.Wirt.-Ing. (FH) Erhart Kurz, Business Development Heating, Daikin Airconditioning Central Europe/Brunn a. G., in seinem Referat. „Der Einsatz von Gas-Hybrid Wärmepumpen bietet sich als ideale Lösung im Renovierungsmarkt an, wo höhere Vorlauftemperaturen gewünscht sind“, erklärte Kurz. Diese Lösung, die aus einer Wärmepumpe und einem Gas-Brennwertgerät besteht, stelle eine interessante Möglichkeit dar, um CO2 und Energiekosten einzusparen. Das einzigartige an der Daikin Gas-Hybrid Wärmepumpe: Durch Verringerung des Durchflusses lässt sich der Betriebsbereich der Wärmepumpe vergrößern, da die Spreizung erhöht und somit die Rücklauftemperatur abgesenkt wird.

Dipl.Wirt.-Ing. (FH) Erhart Kurz, Business Development Heating, Daikin Airconditioning Central Europe/Brunn a. G.

Kurz präsentierte dann das Einsatzbeispiel eines Einfamilienhauses im Burgenland (230 m² beheizte Fläche) in Zahlen und Bildern. Durch die neue Hybridheizung (8 kW Wärmepumpe + 27 kW Gas-Kombitherme + 500 l Hygienespeicher), die im Burgenland (als einzigem Bundesland) auch gefördert wird, kann sich der EFH-Besitzer nun über eine 77 %-ige Reduktion des CO2-Ausstoßes und auf 795 Euro/a geringere Energiekosten im Vergleich zur vorher betriebenen Heizung freuen. Beeindruckende Zahlen, die für sich sprechen.

Heizen-Kühlen-Warmwasser 2.0

In ihrer Doppelconférence stellten Ing. Andreas Zottler, Sales & Marketing Director bei Vogel & Noot (Rettig Austria), und DI (FH) Werner Pink, GF von Pink, im Wesentlichen bekannte und neue Formen der Wärmeverteilung und Warmwasser-Bereitung vor, die idealer Weise in Kombination mit Wärmepumpen eingesetzt werden und den Kundenbedürfnissen – einfach nur Wärme-Kühle-WW-weitestgehend unsichtbare Technik – entgegenkommen. Um auch der bestehenden Herausforderung des geringen Platzbedarfes gerecht zu werden, entwickelte Pink das enerboxx-Wandspeichersystem. Diese vorverkabelte und vorgefertigte Pink-Neuheit integriert bei Bedarf einen 140 Liter-Warmwasserspeicher aus Edelstahl, einen Edelstahl-Wärmetauscher (mit 2 m² Oberfläche!), die komplette Hydraulik, Zählerstrecken und Regler (thermostatisch bis Handy-App) in einem nur 20 cm tiefen Gehäuse, das leicht in Wände integrierbar ist.

DI (FH) Werner Pink, GF Pink GmbH

Das bereits in Wohnungsbauten eingesetzte enerboxx-Wandspeichersystem (das in A über neotec vertrieben wird) überzeugt laut Pink aber noch durch weitere Vorteile:

  • 140 Liter Warmwasser stehen direkt bereit
  • Für ein Vollbad mit 150 Litern werden dem Speicher nur ca. 70 Liter, für eine Dusche ca. 20 Liter entnommen
  • Höchstmögliche Effizienz bei Wärmepumpen als Heizung
  • Nutzerseitige Gleichzeitigkeit kann 100 % betragen (jede Wohnung hat ihren eigenen Speicher)
  • Zu keiner Zeit wird Wasser unnötig zirkuliert (weder Heizungs- noch Trinkwasser)
  • Kein unnötiger Betrieb der Netzpumpe
  • Unsichtbar in Wand integriert und extrem platzsparend
  • Geringe Wartungskosten
Ing. Andreas Zottler, Sales & Marketing Director bei Vogel & Noot (Rettig Austria)

Ing. Andreas Zottler informierte in weiterer Folge über die in Kombination mit Wärmepumpen ideal einsetzbaren Wärmeabgabesysteme von Vogel & Noot: die (unsichtbare) Floortec-Fußbodenheizungssysteme, die E2 Tieftemperatur-Heizkörper und die iVector Gebläsekonvektoren können bis unter 40° C Vorlauftemperaturen betrieben werden. Außerdem kündigte Zottler eine neue Variante des E2-Tieftemperatur-Heizkörpers für die Energiesparmesse und ISH 2017 an, die auch zum Kühlen geeignet sein wird.

Groß-Wärmespeicher und -Wärmepumpen in Linz?

Über ein in Planung befindliches Projekt der JKU-Linz und dem Ingenieurbüro ste.p ZT im Auftrag der Stadt Linz/ FW Linz berichtete Em. O.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang M. Samhaber (Johannes Kepler Universität, Linz/Institut für Verfahrenstechnik). Nachdem die vielzitierte Energiewende vor allem eine Wärmewende benötige, sondiere man in Linz die Möglichkeit, einen Großwärmespeicher samt zwei Großwärmepumpen mit dem Fernwärme-Netz zu koppeln. Das verfolgte Ziel sei, dass die Wärmeerzeugung in Linz weitgehend dekarbonisiert werde. Samhaber präsentierte Überlegungen, Daten, Konzept, Funktion und Grenzen dieses möglichen Projekts.

Em. O.Univ.-Prof. Dr. Wolfgang M. Samhaber (Johannes Kepler Universität, Linz/Institut für Verfahrenstechnik)

Der multifunktionale Gigaspeicher wäre mit einem Volumen von 2 Mio. Kubikmeter ausgelegt, würde unterirdisch errichtet und mit 98° C Ladetemperatur betrieben werden. Er solle eine Kapazität von 80 GWh/a (Umlauf max. 2.930 m³/h) aufweisen und mit zwei Groß-Wärmepumpen (1 x 54 MW, 1 x 31 MW) betrieben werden. Die so gewonnene Wärmeenergie könnte die Emission von 180.000 Tonnen CO2/Jahr verhindern und rund 70 % des derzeitigen Erdgasverbrauchs von Linz kompensieren. Samhaber berichtet aber auch über die Herausforderungen dieses Riesenprojektes (Bautechnik, Wärme-ströme und –schichtung, Akzeptanz,…), das mangels Finanzierungsmöglichkeit derzeit noch schubladisiert ist.

Thermische Speicher: Potenziale (besser) nutzen!

„Nur thermische Energiespeicher bieten heute bereits eine umweltverträgliche und zugleich wirtschaftliche Lösung“, meint DI Volker Rühle, Director International Sales, Heating & Ventilation von Glen Dimplex, und untermauerte seine Aussage mit Zahlen der aktuell verfügbaren Speicherkapazität bestehender Lösungen. So verfügen thermische Energiespeicher (WW-Speicher, Wärmespeicher Heizungen, Wärmepumpen) derzeit über eine Speicherkapazität von 29 TWh/a, Pumpspeicher-Kraftwerke 4 TWh/a, Batterien 0,04 TWh/a und die E-Mobiltät 0,02 TWh/a. Auch in punkto Preis-/Leistung, Energieeffizienz, Umweltverträglichkeit und Verfügbarkeit weisen thermische Speicher eindeutige Vorteile gegenüber elektrischen (Lithium-Ionen-)Speichern auf.

DI Volker Rühle, Director International Sales, Heating & Ventilation von Glen Dimplex

„Wir als Wärmepumpen-Hersteller sind in der Lage, Wärme und Kälte optimal zu speichern – nutzen wir doch diese Potenziale“, meint Rühle. Auch die Photovoltaik stelle eine Möglichkeit dar, erneuerbaren Strom für Wärmepumpen zu nutzen. „Aber die richtigen lastvariablen Tarife fehlen noch“.

Die Stromnetze müssen noch Smart-Grid-fähig gemacht werden – „dann sind die Potenziale der Wärmepumpe noch besser nutzbar“.

Österreichische Technologie-Roadmap für Wärmepumpen

Über Inhalte, Ziele und Empfehlungen der mit verschiedenen WP-Branchen-Teilnehmern (Forschung, Hersteller, Händler, Betreiber, Planer, Installation, öffentl. Einrichtungen) erarbeiteten „Technologie-Roadmap für Wärmepumpen“ informierte DI Dr. Thomas Fleckl vom AIT-Austrian Institute of Technologie, Wien. Die Wärmepumpen-Roadmap identifiziert dabei (Forschungs-)Themen, die für die Wärmepumpen-Branche bis 2030 von Relevanz sein werden. Bei drei Workshops wurden dabei treibende bzw. hemmende Faktoren sowie Potenziale für die Marktdiffusion von Wärmepumpen erarbeitet, Forschungsthemen eruiert und Umsetzungsmaßnahmen abgeleitet.

So wurde im Bereich „Gebäude“ das Thema „Sanierung“, im Bereich „Thermischer Netze“ das Thema „Niedertemperatur-Anergienetze“, für den Bereich „Smart Grid“ die „Schnittstellenthematik“ sowie „Geschäftsmodelle“ und im Bereich „Industrie“ die „Hochtemperatur-Wärmepumpe“ von den Teilnehmern als sehr wichtig identifiziert.

Außerdem berichtete Fleckl von den Ergebnissen der parallel zu den Workshops abgehaltenen Online-Befragung, wo Wärmepumpen-Stakeholder anonym zu für sie wichtigen Forschungsthemen befragt wurden. So wünscht man sich z. B. im Bereich Wohn- und Nicht-Wohngebäude mehr (Forschungs)Antworten auf die Fragen

  • Kosteneffizienter Luft-/Wasser-Wärmepumpen in kombinierten Heizungssystemen
  • Wärmepumpen zum simultanen Heizen und Kühlen
  • Akustik- und Schallemissionen
  • Großwärmepumpen
  • Know-how-Transfer für komplexe Heizungssysteme mit Wärmepumpen
DI Dr. Thomas Fleckl, Leitung Business Unit Sustainable Thermal Energy Systems, Austrian Institute of Technology, Wien

Hingegen wünschen sich die befragten Wärmepumpen-Hersteller u.a. mehr Forschung zu den Themen „Effizienzsteigerung des Kältekreislaufes“ oder der Kopplung von Strom und Wärme (Smart Grid).

Die WP-Roadmap beinhaltet aber nicht nur alle Ergebnisse aus den ExpertInnen-Workshops sondern auch empirisch beobachtete Trends, Szenarienergebnisse und wichtige Zahlenmaterial zum Thema „Wärmepumpen in Österreich“, wie Fleckl ausführte.

Sollte die Neubau-Tätigkeit zurückgehen, dann spürt das die WP-Branche sofort – insofern ist es sinnvoll, sich schon jetzt auch mit anderen Themen, die die Wärmepumpe bewegen und betreffen, auseinanderzusetzen. Die im Juni 2016 veröffentlichte Wärmepumpen-Roadmap bietet dazu eine ideale Lektüre und kann auf nachhaltigwirtschaften.at kostenfrei runtergeladen werden.

Ehrenpräsidentschaft und Appell

Eine besondere Ehre wurde einer Persönlichkeit der heimischen Branche beim Ersten Österreichischen Wärmepumpenforum zuteil. „Mit Zustimmung des Vorstandes wurde entschieden, dass wir Herrn DI Karl Ochsner zum Ehrenpräsident des Verbandes machen. So hoffen wir auf sein weiteres Engagement bei uns“, erklärte Thomas Nowak, Geschäftsführer der EHPA (European Heat Pump Association) in seiner Laudatio vor den über 140 Teilnehmern.

Der Wärmepumpen-Dojen Ochsner hat sich Jahrzehnte lang auch außerhalb seines unternehmerischen Wirkens für die Belange dieser Technologie im Zuge seiner Vorsitz- und Vorstandstätigkeit bei Verbänden in Europa eingesetzt.

Bilder: WEKA/Peherstorfer

Ochsner zeigte sich gerührt und meinte: „Ich bedanke mich dafür − es ist mir eine große Freude und Ehre zugleich“. Die Ehrenpräsidentschaft ermöglicht ihm, bei allen Sitzungen der EHPA dabei zu sein: „Solange es mir physisch möglich ist, werde ich diese Gelegenheit auch wahrnehmen“, meinte Ochsner.

Mit einem Appell endete das von WEKA FACHMEDIEN ÖSTERREICH (HLK/PUNKTUM/TGA und energieweb.at) und dem Verband Wärmepumpe Austria veranstaltete Erste Österreichische Wärmepumpenforum: „Die Wärmepumpe ist nur dann erfolgreich, wenn alle Branchenteilnehmer zusammenhalten“, meinte Wärmepumpe-Austria- Verbandspräsident Richard Freimüller abschließend.