Interview Dr. Stefan Schleicher

Energie und Klima neu denken – Anleitung zum Ent-Lernen

Interview mit Univ.-Prof. DI Dr. Stefan Schleicher, Wegener Center der Universität Graz anlässlich des Dritten Fachkongress "Energie im Krankenhaus".

Unternehmen

TGA/energieweb: Am Fachkongress „Energie im Krankenhaus“ sprachen Sie zum Thema „Energie und Klima neu denken – Anleitung zum Ent-Lernen“. Können Sie bitte kurz skizzieren worum es in Ihrem Vortrag ging?

S. Schleicher: Das Energiesystem wird sich auf allen Skalen – nämlich lokal, national und global – schon in wenigen Jahren total neu darstellen. Dafür gilt es vorbereitet zu sein und proaktiv mitzugestalten. Gebäudestrukturen, wie wir sie in Krankenanstalten finden, könnten bei dieser Transformation eine Schlüsselrolle spielen. Essenziell ist das Design eines integrierten Energiesystems, bei dem die erforderlichen Energiedienstleistungen sowohl technisch als auch wirtschaftlich mit höchster Effizienz erbracht werden. Sichtbar wird das in Gebäuden, die thermisch höchst effizient sind und gleichzeitig die Infrastruktur für den noch notwendigen Energiebedarf bereitstellen.

Eine Schlüsseltechnologie wird dabei die gemeinsame Bereitstellung von Elektrizität und Wärme sein, ergänzt noch durch Aggregate für Kühlen und für die Rückgewinnung von Wärme über Wärmepumpen. Diese Anlagen übernehmen dann jene ergänzenden Funktionen, mit denen die Schwankungen bei mit Wind und Photovoltaik erzeugter Elektrizität ausgeglichen werden können. Sichtbar werden sogar von öffentlichen Netzen abgekoppelte Mikro-Netze, die sich selbst steuern.

TGA/energieweb: Im Mittelpunkt des Kongresses stand das Energieeffizienzgesetz. Welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?

S. Schleicher: In meinem Forschungsumfeld sowohl an der Universität Graz als auch am Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung haben wir versucht, dem Thema Energieeffizienz eine gänzlich andere Konzeption zu geben, nämlich eine Anreizstruktur, die auf der Belohnung von freiwillig erbrachten und nachgewiesenen Effizienzverbesserungen beruht.

Das realisierte Gesetz verlangt aber grundsätzlich von Energielieferanten Nachweise von Verbrauchsreduktionen.

Damit verbunden sind Versuchungen zu einem strategischen und kreativen Gestalten solcher Nachweise. Die dabei sichtbar gewordenen Beispiele sind an die Haushalte verschickte Durchflussbegrenzer für die Wasserleitung, deren Einbau jedoch nicht nachgewiesen werden muss, oder die Beimischung von Additiven zum Dieseltreibstoff, deren Wirkung ebenfalls umstritten ist.

Univ.-Prof. DI Dr. Stefan Schleicher, Wegener Center der Universität Graz