Produkttest

Dieses Thermostat soll Innenräume energieeffizienter machen

Das Münchener Startup Tado wirbt mit einem intelligenten Thermostat, das den Emissionsausstoß einzelner Haushalte verringern und für mehr Komfort sorgen soll. HLK hat das Gerät einem Test unterzogen.

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Das kann das Tado Starter-Kit.

Klein und unauffällig hängt es an der Wand, mein neues Raumthermostat. Optisch macht es schon mal einiges her, war das analoge Vorgängermodell doch sehr klobig und auch nicht gerade benutzerfreundlich in der Bedienung. Das intelligente Heizsystem von Tado lässt sich per Smartphone steuern und auf den individuellen Alltag anpassen. Dadurch sollen laut Hersteller die Energiekosten sowie die CO2-Emissionen eines Haushalts reduziert werden können.  Als Einsteigerprodukt empfiehlt das Münchner Entwicklungsunternehmen das Starter Kit mit dem Tado Smart Thermostat und einer Internet-Bridge, die den Temperaturregler mit dem Internet verbindet. HLK hat dieses Set nun getestet.

Einfache Installation

Tado bietet zwar auch eine professionelle Installation durch einen ihrer Partner an, ich habe mich jedoch für die Installation per Anleitung entschieden: Selbst ist die Frau. Die Internet Bridge war schnell mit dem Router verbunden, lediglich das Netzteil der Bridge fällt etwas kurz aus, wodurch eine Verteilerleiste zu Hilfe gezogen werden musste. Bei der Installation des Thermostats gab es jedoch gleich das erste Problem: Der Sticker mit der Seriennummer und dem Authentifizierungscode war nicht auffindbar. Ein kurzer Anruf beim sehr hilfsbereiten Support löste das Problem aber umgehend.

© HLK

Das Kabel der Internet-Bridge ist relativ kurz.

Weiter ging es mit der Demontage des alten und der Anbringung des neuen Thermostats. In der Anleitung wurde jeder Handgriff ausführlich erklärt und mit Bildern veranschaulicht. Dadurch gelang es sehr schnell, das alte Thermostat zu entfernen und das neue anzuschließen. Große Technikkenntnisse sind dafür nicht notwendig - einen Schraubenzieher sollte man aber schon einmal in der Hand gehabt haben.

Inbetriebnahme

Mit dem Drücken und Halten der Taste am Thermostat verbindet dieses sich mit der Bridge und dadurch mit dem Internet. Nach wenigen Sekunden ist der Temperaturregler auch schon mit der App verbunden und kann verwendet werden. Widgets wie die Anzeige des Temperaturverlaufs und die Einstellung von Szenarien wurden mir mit kurzen Tipps direkt in der App erklärt. Für die Temperatureinstellungen und das Ausschalten der Heizung habe ich jedoch noch ein Erklär-Video von Tado zu Hilfe gezogen.

Das Thermostat selbst ist relativ selbsterklärend: Nach dem Betätigen der Taste wird der Bildschirm aktiviert und die aktuelle Temperatur angezeigt. Nach kurzem Warten springt das Display dann auf die Temperatureinstellungen um und die gewünschte Raumtemperatur kann eingegeben werden.

Tageszeiten einstellen

Die App bietet mehrere Möglichkeiten, die Heizeinstellungen zu personalisieren: Durch zeitgesteuerte Szenarien kann die Temperatur den täglichen Gewohnheiten angepasst werden. So kann beispielsweise von Montag bis Freitag nur vormittags und abends geheizt werden, während am Wochenende durchgehend für eine angenehme Raumtemperatur gesorgt wird. Die Einstellungen für die Szenarien waren einfach verständlich und konnten Problemlos durchgeführt werden. Was mich jedoch gestört hat, war, dass die Temperatur nicht direkt eingegeben werden konnte, sondern über Pfeile und damit stufenweise geändert werden musste. Will man also von 15 auf 25 Grad springen, kann das ein bisschen dauern.

© HLK

Bei der Temperatureinstellung gibt es mehrere Möglichkeiten.

Away-Modus

Für den Away-Modus muss das GPS am Smartphone aktiviert werden. Das Thermostat greift dann auf den Standort zu und kann damit beurteilen, wann geheizt werden muss. Die Distanz, ab der die Heizung aktiviert werden soll, ist dabei individuell programmierbar. Ich habe mich für 15 Kilometer entschieden und die Funktion am Nachhause-Weg getestet. Tatsächlich: Als ich den Radius von 15 Kilometer betreten habe, konnte ich sehen, dass die Heizung aktiviert wurde und die Wunschtemperatur sich geändert hat. Da ich stets darauf achte, den Akku meines Handys zu schonen, habe ich das GPS danach auch wieder deaktiviert. Jedoch springt die Tado App dann nicht automatisch in den zeitgesteuerten Modus, sondern hält am letzten Standpunkt des Smartphones fest. Bis ich das bemerkt habe, wurde durchgehend geheizt.

Temperaturverlauf im Überblick

Die App speichert über eine gewisse Zeit den Verlauf von Temperatur und Luftfeuchtigkeit und stellt diesen anhand einer Grafik dar. Dadurch konnte ich sehen, wann ich besonders viel oder wenig geheizt habe und zu welchen Zeiten ich unbedingt lüften muss. Für mich ist es selbstverständlich nach dem Aufstehen zu lüften, doch in anderen Ländern, wie Großbritannien gehört das nicht zum Common Sense, erklärt Francis Avato, Customer Satisfaction Manager bei Tado.

© HLK

Der Verlauf von Temperatur und Luftfeuchtigkeit wird verständlich dargestellt.

Akkuverbrauch

Francis Alvato versichert, dass die App nur für rund ein bis zwei Prozent des täglichen Akkuverbrauchs verantwortlich ist. Das ist jedoch stark davon abhängig, wie oft man die App nutzt. Gerade die ersten Tage nach der Installation wollte ich mich häufig vergewissern, dass das Heizsystem funktioniert. Darunter litt der Akku natürlich. Doch bei geringer Nutzung der App informiert mich mein Handy häufig darüber, dass Tado den Akkuverbrauch in die Höhe treibt und dass die Applikation ständig im Hintergrund aktiv ist.

Niedriges Sicherheitsrisiko

In Punkto Sicherheit hatte ich Bedenken, da das Thermostat durchgehend mit dem Internet verbunden ist und auch nur dadurch per App gesteuert werden kann. Diese Bedenken hat Avato aber schnell zerstreut: „Zwischen unseren Geräten wird sehr verschlüsselt kommuniziert. Dabei nutzen Router und Bridge eine andere Verschlüsselung als Bridge und Thermostat. Dadurch erreicht man einen sehr hohen Sicherheitsgrad, ähnlich wie beim Online-Banking“, erklärt der Technik-Experte. Zudem werden wichtige Daten, wie verschiedene Standorte, regelmäßig gelöscht. Bewegungsprofile werden laut Alvato keine erstellt, da dies für das System nicht relevant sei und es auch nicht im Interesse des Unternehmens liege.

Fazit

Für meine Wohnung von knapp 60 Quadratmetern funktioniert Tado zuverlässig – so wie mein altes Thermostat. Mit Tado hat sich der Heizkomfort aber stark gesteigert. Nach einem langen Winterspaziergang oder einem überraschend kühlen Tag kann die Heizung bereits vor der Ankunft im Eigenheim aufgedreht werden. Im Alltag lässt sich die Raumtemperatur dank intelligenter Szenarien effizient steuern.

Für größere Wohnungen oder Häuser empfiehlt sich die Anschaffung von zusätzlichen Heizkörperthermostaten, da das smarte Thermostat nur die Temperatur in einem einzelnen Raum misst und diese dann auf alle anderen Zimmer überträgt. Mit den Heizkörperthermostaten kann jeder Raum einzeln gemessen und gesteuert werden. In der App können dann auch die einzelnen Räume angezeigt und individualisiert werden. Dadurch lässt sich die Energieeffizienz deutlich erhöhen.

Die App gibt einen guten Überblick über die Kosten- und Energieeinsparungen des Haushalts. Je mehr man sich mit dem intelligenten Heizsystem befasst und je spezifischere Szenarien man erstellt, um so mehr sinkt auch der Energieverbrauch. Durch richtiges Lüften und gezieltes Heizen konnten im HLK-Test nicht nur Kosten und Energie gespart werden, sondern auch die Luftqualität deutlich verbessert werden.

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