Windkraft

Diese fünf Vorteile bringt Windenergie mit sich

Die Windenergie erfreut sich großer Beliebtheit und die Zahl der in Österreich installierten Windkraftleistung nahm bisher stetig zu. Doch nun ist die Luft nun raus, der Ausbau lässt nach - zu Unrecht.

Windenergie erlebte lange einen starken Aufwind, aber nun ist die Luft raus.

Anfang Mai wurde in Österreich ein neuer Windstromrekord erreicht. 46 Prozent der heimischen Stromversorgung konnten an diesem Tag mit Windstrom gedeckt werden. Das ist zum einen dem Kälteeinbruch zu verdanken, zum anderen nimmt die Anzahl der installierten Windräder stetig zu – europaweit. Im Europavergleich ist die Windkraft die am stärksten wachsende Energie. Im vergangenen Jahrzehnt hat sie die größte Kraftwerksleistung ans Netz gebracht und damit sogar die Atom- und Kohlekraft überholt. 

In der gesamten Europäischen Union wurden im Jahr 2018 10.100 Megawatt Windkraftleistung installiert. Der Großteil davon sind Onshore Windenergieanlagen. Insgesamt liegt die Windkraftleistung in der EU bei 178.826 Megawatt. Damit können rund 14 Prozent des Strombedarfs gedeckt werden. Nachdem Europa nun aber Jahrzehntelang Pionierarbeit im Bereich Windenergie geleistet hat, lässt der Ausbau stark nach, wie aktuelle Zahlen des Global Wind Energy Council zeigen. Während China zuletzt ein Ausbauplus von 2,7 Gigawatt verzeichnet, sackt Europa um ganze 4,8 Gigawatt ab. „Insgesamt ist das für die Energiewende und die ganze Wirtschaft, die da dran hängt katastrophal,“ bemerkt Bernhard Zangerl, Geschäftsführer des Energietechnologie-Unternehmens Bachmann electronic. Der Windkraftausbau erlebt ein Tief und das, obwohl fünf gute Gründe für die Windenergie sprechen

1. Erneuerbare Energie

Der wohl offensichtlichste Vorteil von Windrädern ist die Erzeugung erneuerbarer und umweltschonender Energie. Über 1,9 Millionen österreichische Haushalte konnten 2018 mit erneuerbarer Energie aus Windkraft versorgt werden. Die meisten Anlagen befinden sich dabei in Niederösterreich und im Burgenland. Insgesamt ist in Österreich eine Windkraftleistung von rund 3.240 Megawatt installiert. Bis 2030 sieht die Bundesregierung vor 100 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs mit erneuerbarer Energie zu decken. Die Windkraft wird dabei eine wesentliche Rolle spielen, denn hinsichtlich des zunehmenden Strombedarfs wird jede nachhaltige Energiequelle benötigt. Bis zum Jahr 2022 könnte die Windkraft laut der Interessenvertretung IG Windkraft bereits 19 Prozent des Strombedarfs decken. Wenn bis zum Jahr 2030 rund 120 Windkraftanlagen pro Jahr errichtet werden, kann der Windstrom 26 Prozent des österreichischen Strombedarfs decken.

2. Heimische Wertschöpfung

Rund 180 österreichische Unternehmen profitieren als Lieferanten oder Dienstleister vom Aufwind in der Windenergiebranche. Mit Umsätzen von jährlich insgesamt 459 Millionen Euro tragen diese Unternehmen äußerst positiv zur österreichischen Wirtschaftssituation bei. Ein einzelnes Windrad mit einer Leistung von drei Megawatt bringt den zuständigen Unternehmen ein Auftragsvolumen von knapp 1,5 Millionen Euro. Weitere 3,3 Millionen Euro kommen während der rund 20 Jahre Betriebsdauer hinzu.

Die Windenergiebranche bringt aber nicht nur hohe Umsätze, sondern bietet auch zahlreiche Arbeitsplätze. In Österreich sind derzeit rund 5.000 Arbeitnehmer im Bereich Windenergie beschäftigt. Noch mehr Beschäftigung bietet die deutsche Energiewirtschaft: Laut einer Studie der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung, dem deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR und dem deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW erreichte die Zahl der Beschäftigten im Bereich Energie zwischen 2009 und 2011 ihren Höhepunkt: 810.000 Personen waren in diesem Zeitraum in der gesamten Energiewirtschaft tätig. Momentan sind es rund 690.000 Personen. Rund 338.000 Beschäftigte sind dabei im Bereich der erneuerbaren Energien tätig. Das sind 10.000 Personen mehr als im Jahr davor. Vor allem in der Windenergiebranche ist der Zuwachs hoch: 160.000 Personen arbeiten in diesem Bereich. Damit erreicht die Branche ein Allzeithoch.

3. Klimaschutz

Durch die emissionsfreie Stromproduktion aus Windkraft können in Österreich jährlich rund 4,3 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden – so viel wie 1,9 Millionen Autos jährlich Ausstoßen. Ein einzelnes Windrad spart bereits so viel CO2 ein wie 2.000 Pkw emittieren. Bis 2050 sollen laut Pariser Klimaabkommen weltweit nur noch erneuerbare Energien zum Einsatz kommen. Fossile Energieträger sollen vom Netz genommen und die Treibhausgasemissionen damit massiv reduziert werden. 

„Mit innovativen Hybridkonzepten und effizientesten Anlagen beweist die Windindustrie, dass die vollständige Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien technisch und wirtschaftlich machbar ist“, betont Nils de Baar, Präsident des Windenergieanlagen-Herstellers Vestas, und ergänzt: „Windenergie ist bei Neuinstallationen bereits heute die global wichtigste Stromerzeugungstechnologie. Die österreichische Windenergie Branche hat daran mit rund einer Milliarde Euro Umsatz und über 4.500 Beschäftigen einen starken Anteil.“

4. Effizienter Lebenszyklus

Rund 20 Jahre lang ist ein Windrad in Betrieb. Ist sein Lebenszyklus vollendet, kann es mit Hilfe von Kränen rasch abgebaut und die Fläche des Masts umgehend wieder genutzt werden. Doch was passiert mit den ausrangierten Teilen? Dafür gibt es mittlerweile Spezialdienstleister, die sich um die Abwicklung von Rückbauprojekten kümmern. Viele Materialien einer Windenergieanlage, wie Kupfer oder Stahl, können wiederverwendet werden. Laut dem Fraunhofer Institut für Chemische Technologie wird bei den meisten Windrädern eine Recyclingquote von bis zu 90 Prozent erreicht. Die Technische Universität Cottbus-Senftenberg arbeitet derzeit an einem Verfahren, das geschredderte Rotorblätter und Flugasche aus der Stromerzeugung in Braunkohlekraftwerken zu einem Betonwerkstoff kombinieren soll. Der Beton wird dadurch stabiler und die Rotorblätter erfüllen einen sinnvollen Zweck.

5. Mehr Unabhängigkeit

Obwohl Österreich im Europavergleich im Bereich erneuerbare Energie bereits sehr gut aufgestellt ist, muss immer noch elektrische Energie aus dem Ausland importiert werden. 2017 hat das Land rund 10,7 Milliarden Euro für Energieimporte ausgegeben. Hauptsächlich wird das Geld aber für Öl- und Gasimporte ausgegeben: „Der Löwenanteil der 10,7 Milliarden Euro entfällt auf die Einfuhr von Erdöl und Erdölprodukten mit 6,2 Milliarden Euro sowie den Erdgasimport im Umfang von 2,6 Milliarden Euro“, erläutert Peter Traupmann, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur. Bei einem starken Ausbau erneuerbarer Energien ist aber auch die Erzeugung synthetischer Energieträger aus überschüssigem Strom denkbar. Der Ausbau der Windenergie deckt damit nicht nur einen bemerkenswerten Teil des österreichischen Strombedarfs, sondern kann auch der Herstellung von Öl dienen. 

Schwierigkeiten in der Windenergie

Obwohl der Windkraftausbau stets vorangeht, könnten bereits viel mehr Anlagen installiert sein. Nach wie vor warten 200 fertig genehmigte Windkraftwerke mit einer Leistung von 600 Megawatt auf die Freigabe der Fördermittel durch die Politik. „Würde sich die Politik dazu entschließen, kann umgehend mit der Errichtung dieser Anlagen begonnen werden“, so Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. „Allein dieser Ausbauimpuls bei der Windkraft könnte zur österreichischen Stromproduktion weitere zwei Milliarden Kilowattstunden sauberen Ökostrom beitragen.“ Darüber hinaus wartet die Branche auf den Entwurf des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes. Dieses soll die gesetzliche Grundlage für den weiteren Ökostromausbau sein, um bis 2030 eine 100 Prozent erneuerbare Stromversorgung zu erreichen.

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