Energy Transition Dialogue in Berlin

„Die Politik hat die Macht, die Energiewende umzusetzen“

Die Energiewende ist unumkehrbar, davon sind jedenfalls die Veranstalter des derzeit in stattfindenden Energy Transition Dialogue in Berlin überzeugt. Doch damit die Wende kein Ende hat, muss sich insbesondere im Wärmesektor viel mehr tun. Und E-Autos könnten künftig nicht nur als Vehikel dienen.

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Pressekonferenz zum Energy Transition Dialogue im Auswärtigen Amt in Berlin.

Als „hardcore issues“ bezeichnet Michaela Späth, im Auswärtigen Amt für die Klimapolitik zuständig, die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt. Die Energiewende bringe technische sowie sozioökonomische Probleme mit sich. „Wir brauchen ein gutes Netzwerk innerhalb des Energiesektors, damit die Energiewende gelingen kann“, so Späth bei einer Pressekonferenz zu Beginn des Energy Transition Dialogues in Berlin. Dieses Netzwerk versucht man hier in den kommenden zwei Tagen fester zu knüpfen: Mehr als 2.000 Besucher werden erwartet, darunter 40 Energie- und Außenminister und Staatssekretäre aus 90 Ländern. Schon bei der Eröffnung wird das Podium recht prominent besetzt sein: neben dem deutschen Wirtschaftsminister Peter Altmaier, Außenminister Heiko Maas und der ehemaligen Präsidentin Irlands, Mary Robinson, werden auch Siemens-Chef Joe Kaeser und Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur teilnehmen.

„Wir wissen, dass wir auch in Deutschland unsere Hausaufgaben machen müssen. Weltweit ist jedoch bereits zu beobachten, dass sich etwas verändert. Das ist gut so, denn faktisch ist die Energiewende die Zukunft“, sagt Falk Bömeke, energiepolitischer Experte im Bundeswirtschaftsministerium. Nach einer globalen Herausforderung und dem globalen Klimaabkommen brauche es nun auch eine gemeinsame Energiestrategie, so Bömeke.

Ökonomisch darstellbar

Nicht Zukunft, sondern definitiv Gegenwart ist für Francesco La Camera, Präsident der International Renewable Energy Agency IRENA, die Energiewende: „Die Energiewende hat bereits begonnen.“ Und das konnte sie nur, weil sie ökonomisch darstellbarer wurde: „Die Kosten der erneuerbaren Energieträger sind stark gesunken und sie sind nun leistbar. Mittlerweile ist es günstiger in Solarparks zu investieren, als auf fossile Energie zurückzugreifen. In den nächsten fünf Jahren werden wir weiterhin ein starkes Sinken der Investitionskosten beobachten können“, so La Camera.

In ihrer neuen Roadmap 2050 zeigt IRENA, welche Ziele bisher erreicht wurden und wo noch deutlich nachgebessert werden muss. Bis 2050 können erneuerbare Energien sowie eine allumfassende Elektrifizierung mehr als 90 Prozent der erforderlichen CO2-Reduktion möglich machen.

Potenzial muss noch stärker genutzt werden

„Im Energiesektor liegt der Anteil der Erneuerbaren bereits bei 38 Prozent. Die CO2-Emissionen bewegen sich aber stets auf einem sehr hohen Niveau, was der Kohle zuzuschreiben ist“, ist Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie BEE überzeugt. Ein Kohleausstieg, in Deutschland trotz der Erkenntnisse der Kohlekommission noch immer heiß diskutiert, ist für Peter deshalb unumgänglich. Großes Potenzial sieht sie außerdem in der Steigerung der Energieeffizienz von Heiz- und Kühlsystemen. „Der Umstieg auf Erneuerbare im Wärmesektor geht derzeit noch sehr schleppend voran“, so Peter. Im Vordergrund stehe deshalb auch die Sektorenkopplung, um die Energiewende gesamtheitlich umsetzen zu können. Dafür brauche es umfassende Rahmenbedingungen, die mit den Zielen des Pariser Klimaabkommen abstimmen – die müssen von der Regierung kommen. „Die Politik hat die Macht, die Energiewende umzusetzen“, meint Simone Peter.

Und diese Macht müsste sie mal nutzen: „Die Energiewende geht nicht so schnell voran, wie wir es gerne sehen würden. Derzeit gibt es eine 50-prozentige Chance das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen“, zeigt sich Dolf Gielen von IRENA besorgt und erklärt: „Die technologischen Möglichkeiten sind da, die Politik muss deutlich schneller handeln.“ Die Bevölkerung wird weiter anwachsen, was einen massiven Anstieg der erneuerbaren Energieträger bedeuten müsste. Laut Gielen ist die Reduktion des Energieverbrauchs jedoch mindestens genauso wichtig wie der Ausbau der Erneuerbaren. Eine Chance für die Energiewende indes sieht Gielen noch nicht hinreichend erforscht: „Wir glauben zwar, dass die Zahl der Energiespeicher steigen wird. Aber als viel wichtiger empfinden wir die Nutzung von E-Autos als Energiespeicher.“

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