Windkraftausbau gehemmt

„Der Windenergie wurden Steine in den Weg gelegt“

46 Prozent aller österreichischen Haushalte werden mit Windstrom versorgt, heißt es in einer Werbeanzeige der IG Windkraft. Wie es zu dieser Zahl kommt und ob sie stimmt, erklärt Martin Jaksch-Fliegenschnee von der IG Windkraft im Interview mit HLK.

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46 Prozent der österreichischen Haushalte werden bereits mit Windenergie versorgt. Es ist noch viel mehr Potenzial erhalten, doch die Gesetzeslage behindert den Windkraftausbau.

Die IG Windkraft setzt sich für den Ausbau der österreichischen Windenergie ein. Martin Jaksch-Fliegenschnee ist bei der IG Windkraft für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und verrät im Interview mit HLK, wie es um die Windenergie steht und was die Interessensvertretung für die Erreichung der Klimaziele 2030 macht.

In einer Anzeige der IG Windkraft heißt es, dass bereits 46 Prozent aller Haushalte in Österreich mit Windstrom versorgt werden. Wie ist das zu verstehen?

Mittlerweile haben wir in Österreich einen Anteil von elf Prozent Windstrom im Gesamtenergienetz. Rechnet man das nun auf die österreichischen Haushalte um, so kommt man auf diese 46 Prozent. Man darf nicht vergessen, dass der Strom auch in andere Bereiche fließt. Die österreichischen Bundesbahnen, die Industrie und Kleingewerbe machen einen erheblichen Anteil des Gesamtenergieverbrauchs aus.

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Wie zufrieden sind Sie mit der momentanen Entwicklung der Windenergie in Österreich?

Das ist schwierig. Wir hatten bis 2012 weg eigentlich sehr gute Rahmenbedingungen für den Windkraftausbau. Aufgrund des neuen Ökostromgesetzes hat sich die Situation nun leider geändert und der Windenergie wurden einige Steine in den Weg gelegt. Viele geplante Windräder sind zwar offiziell genehmigt, können aufgrund der Gesetzeslage aber nicht gebaut werden. Das Ökostromgesetz besteht nun seit sechs Jahren und wurde noch immer nicht an die neuen Rahmenbedingungen des europäischen Stromhandels angepasst. Kohle- und Atomstrom werden weiterhin dreimal so viel gefördert wie alle erneuerbaren Energien zusammen. Das erschwert uns die Situation sehr. Wir hoffen, dass sich das mit der neuen Regierung bessert.

Was kann die Regierung tun, um den Windkraftausbau zu unterstützen?

Pläne in die Tat umsetzen und nicht nur darüber reden. Bis 2030 könnten wir ganz einfach 26 Prozent des Energiebedarfs durch Windenergie abdecken. Das bedeutet eine Verdreifachung der Leistung, wobei wir die Anzahl der Windräder nicht einmal verdoppeln müssten. Die Technologien werden immer besser und leistungsstärker, weshalb die 100 Prozent Ökostrom bis 2030 durchaus realistisch sind. Wir hoffen, dass mit der neuen Regierung nun auch ein großer Schub an neuen Regelungen kommen wird. Die Subventionen für fossile Brennstoffe müssen auf jeden Fall gestrichen werden und die Erneuerbaren brauchen einen Ausbau der Förderungen. Im April wird ja die neue Klimastrategie präsentiert und dann werden wir sehen, was passiert.

Wie trägt die IG Windkraft dazu bei die Windenergie weiter zu stärken?

Wir versuchen als Interessensvertretung zu zeigen was eigentlich möglich wäre. Die neue Potenzialanalyse zeigt, dass das Potenzial der Windkraft bis 2030 deutlich angehoben werden kann. Daher sind wir uns auch so sicher, dass wir die 26 Prozent an Windenergie zur Verfügung stellen können. Wir stehen außerdem in Verbindung mit Politikern und machen ihnen klar, wie die neuen Rahmenbedingungen aussehen müssten.

Welche Reaktionen erhalten Sie aus der Politik?

Im Regierungsprogramm sind ja bereits einige tolle Ziele festgelegt. Wie bereits erwähnt, soll bis 2030 die gesamte österreichische Energie aus den Erneuerbaren gewonnen werden. Die Reaktionen auf unsere Vorschläge sind überwiegend positiv, weshalb wir auch optimistisch auf die neue Klimastrategie im April blicken. Wir hoffen, dass die Ziele nun mit Maßnahmen hinterlegt werden, um die Klimaziele auch wirklich erreichbar zu machen. In den letzten Jahren hat die Politik viel ge- und versprochen, aber jetzt wird es Zeit zu handeln. Die Zeit des Redens ist vorbei, denn wenn man das nächste Jahrzehnt verschläft sind die Ziele für 2050 nicht erreichbar. Es braucht jetzt starke und ambitionierte Handlungen.

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