Coronavirus bei Tönnies

BTGA-Präsident: "Übertragung bei Tönnies hätte vermieden vermieden werden können"

Die Corona-Masseninfektion im Schlachtbetrieb Tönnies sorgt für Aufregung und wirft erneut die Frage in den Raum, wie gefährlich Klimaanlagen in Zeiten von Corona sind. BTGA-Präsident Hermann Sperber meint, zu den Infektionen wäre es bei richtigem Klimaanlagen-Betrieb nicht gekommen.

Bei richtigem Betrieb der Klimaanlage, hätte die Masseninfektion bei Tönnies vermieden werden können, meint BTGA-Präsident Hermann Sperber.

Die Lüftungs- und Kühlungsanlagen könnten für die Übertragung des Coronavirus im Schlachtbetrieb Tönnies verantwortlich sein, wie eine nähere Analyse des Falls ergibt. Das sorgt allgemein für Unruhe und bei Hermann Sperber, Präsident des Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA), für Unverständnis: "Würden sich die Betreiber der dortigen Anlagen an unsere allgemeinen Empfehlungen halten, wären Übertragungen wirksam vermieden worden. Gerade in Räumen mit hohem Kältebedarf, wie es bei Schlachtbetrieben der Fall ist, müssen die Anlagen zur Sicherstellung eines hygienisch einwandfreien Betriebs mit hochwertigen Filtern wie Schwebstoff- oder HEPA-Filtern ausgestattet werden." 

Ein wesentlicher Grund hierfür besteht darin, dass bei Lüftungs- und Kühlanlagen in solchen Gebäuden aus technischen Gründen fast ausschließlich ein Umluftbetrieb stattfindet. Schwebstoff- und HEPA-Filter werden schon seit vielen Jahren beispielsweise in OPs oder in der Reinraumtechnik eingesetzt. Anders sieht es bei Klima- und Lüftungsanlagen in Büros, Hotels, Einkaufszentren, Veranstaltungs- oder Kongresscentern aus. Dort bietet ein hoher Außenluftanteil den besten Infektionsschutz, da die dauerhafte Lüftung für eine deutliche Verringerung der Virenlast sorgt. „Wir empfehlen gerade in Situationen, wie wir sie derzeit erleben, den Umluftanteil bei Klima- und Lüftungsanlagen so gering wie möglich zu halten“, sagt Sperber.

Lüftungstechnik kann Virusverbreitung eindämmen

Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand wird das Coronavirus SARS-CoV-2 durch Tröpfcheninfektion verbreitet. Da eine Aerosolübertragung nicht ausgeschlossen werden kann, bieten gut belüftete Räume einen weitgehenden Schutz. Denn die Zufuhr gefilterter und aufbereiteter Außenluft und der Abtransport belasteter Raumluft führen immer dazu, dass mögliche Belastungen der Raumluft verdünnt und die Virenlast in einem Gebäude verringert werden. Zusätzlich kann durch eine gezielte Befeuchtung der Raumluft mit Feuchtewerten von 40 bis 60 Prozent das Infektionsrisiko weiter deutlich vermindert werden. Eine Übertragung von Coronaviren über Lüftungs- bzw. Klimaanlagen kann nahezu ausgeschlossen werden, wenn die Anlagen, wie von Experten empfohlen, fachgerecht betrieben und regelmäßig gewartet werden.

White Paper zum Thema

Wie der richtige Betrieb aussieht und worauf während der Corona-Pandemie bei der Klima- und Lüftungstechnik geachtet werden muss, hat der BTGA gemeinsam mit dem Fachverband Gebäude-Klima und dem Herstellerverband für Raumlufttechnische Anlagen im April in einem Empfehlungsschreiben festgehalten. 

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