Fehlende Förderregelung

Biomasse-Anlagen verfeuern Erdöl statt Hackschnitzel

Weil sich Biomasse nicht rechnet, Betreiber aber Wärme-Verträge einhalten müssen, wird in einigen Anlagen Erdöl verheizt.

In einigen österreichischen Biomasse-Anlagen werden nicht nur Hackschnitzel verheizt.

In Österreich verfeuern einige Betreiber von Biomasse-Anlagen wegen fehlender Förderregelungen statt des nachwachsenden Rohstoffs Holzschnitzel nun klimaschädliches Erdöl. Das berichtete die Tageszeitung Kurier am Mittwoch. Bestätigt wurde das der Zeitung von einzelnen Anlagenbetreibern, aber auch von der IG Holzkraft, der Interessensvertretung der Betreiber solcher Ökostromanlagen.

Aufgrund der viel zu geringen oder bereits ausgelaufenen Förderungen für Biomasse sei es für ihn "betriebswirtschaftlich nicht darstellbar", Biomasse zu nehmen, wird Herbert Mandl von der BIOMA Energie AG zitiert. Er betreibt zwei Anlagen, eine davon im niederösterreichischen Gmünd, eine in St. Andrä in Kärnten. Aktuell betreibe er seine Biomassekraftwerke mit Öl, denn er habe aufrechte Lieferverträge für Wärme, die er erfüllen müsse, so Mandl.

"Dass nun einige Öl statt Biomasse verheizen, kann ich bestätigen, teilweise wird auch Erdgas verfeuert", so Eva Höllbacher von der IG Holzkraft. Konkret gehe es um sechs bis acht Anlagen, so die Expertin für Bioenergie. Genau könne man das aber nicht sagen, weil darüber in der Branche nicht gerne gesprochen werde. Allein für den Zeitraum Juni bis August gehen Experten dem Bericht zufolge davon aus, dass 400 Tonnen CO2 durch Ölverbrennung emittiert wurden und rund 10.000 Megawattstunden Ökostrom weniger produziert werden konnte.

Fehlende Förderregelung

Hintergrund der teils fehlenden Biomasse-Förderung ist, dass die SPÖ im Frühjahr bei dieser Zwei-Drittel-Materie nicht mitgehen wollte. Die damalige VP-Umweltministerin Elisabeth Köstinger konnte vor dem Zerbrechen der ÖVP-FPÖ-Regierung gerade noch ein Biomasse-Grundsatzgesetz auf den Weg bringen - der Parlamentsbeschluss erfolgte im April -, für das aber Landesgesetze in allen Bundesländern nötig sind. Das sollte mehrere Dutzend Biomasse-Anlagen in Österreich vor dem Aus retten und eine Übergangslösung darstellen, bis das neue Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz in Kraft tritt. Manche Länder waren aber säumig mit der Umsetzung. So wurde etwa Anfang August in Wien-Simmering das große Biomassekraftwerk heruntergefahren, weil die Förderung ausgelaufen ist. Für die letzte Nationalratssitzung in der Woche vor der Wahl haben sich mehrere Parteien einen neuen Anlauf für eine Ökostromreform vorgenommen, die auch Mittel für Biomasse enthalten soll. (APA/red)

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