Heizen mit Abwärme

Bier und Mannerschnitten: Wo in Österreich mit Abwärme geheizt wird

Wohl kaum jemand würde elektrische Energie einfach so in die Luft verpuffen lassen, warum sollte das also mit Wärmeenergie passieren? Abwärme fällt bei fast allen industriellen Prozessen an und kann direkt weiter genutzt werden, wie einige österreichische Projekte bereits beweisen.

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Abwärme muss nicht einfach nur verdampfen, sie kann auch sinnvoll genutzt werden.

„Die Industrie braucht Anreize“, schreibt die Industriellenvereinigung zum Thema Abwärmenutzung. Christoph Brunner vom Institut für nachhaltige Technologien AEE stimmt dem zu: „Die Umsetzung von Projekten scheitert oft an der Finanzierung, obwohl es eine Vielzahl an technisch und wirtschaftlich sinnvollen Konzepten für die industrielle Abwärmenutzung oder Erneuerbare Energieprojekte gibt.“ 

Dabei geht es bei der Nutzung von industrieller Abwärme nicht darum, den Planeten zu retten. In erster Linie wird damit Energie und somit bares Geld gespart. „Man nützt dabei etwas, das ansonsten einfach ungenützt in die Luft entweichen würde“, sagt EVN-Sprecher Stefan Zach im Gespräch mit HLK. Einige Energieversorger und Bauträger haben das Potenzial industrieller Abwärme erkannt und in diesen Projekten umgesetzt.

Schnitten-Heizung

Rund 450 Mannerschnitten produziert der weltgrößte Waffelbackofen in Wien pro Minute. Dabei geht es heiß her, weshalb die Manner-Fabrik im 17. Bezirk nun 600 Wiener Haushalten einheizen darf. Die Abwärme aus der Schnitten-Produktoin wird in das lokale Fernwärmenetz eingespeist und für Heizung und Warmwasser verwendet. Manner wandelt darüber hinaus die überschüssige Abwärme des Herstellungsprozesses in Kälte um und verwendet diese für Kühlzwecke. 

Manner investierte insgesamt 40 Millionen Euro in die Modernisierung des Standorts Wien-Hernals, erweiterte die Fläche um ein Drittel und steigerte damit die Waffelproduktion. Gemeinsam mit Wien Energie realisierte das Unternehmen die Abwärme-Einspeisung von rund 5.600 Megawattstunden. Thomas Gratzer, Vorstand für Produktion und Technik bei Manner: „Mit dem Ausbau des Produktionsstandorts in Wien stellen wir die technologischen Weichen für die Zukunft von Manner. Die Nutzung der Abwärme für Fernwärmekunden von Wien Energie ist innovativ und energieeffizient. Wir sind globaler Süßwarenerzeuger und dank Wien Energie nun auch lokaler Energieproduzent.“ 

Bier und Wärme für Schwechat

Zumindest zur Hälfte vollendet ist das „Brauwärmeprojekt“ von EVN und der Brau Union Österreich. Im Zuge dessen entstehen auf ehemaligen Brauereigründen in Schwechat gerade 900 Wohneinheiten, die am Ende mit ganz besonderer Wärme beheizt werden: Gärwärme. „Die Gärwärme aus dem Brauprozess wird mit einer Wärmepumpe auf die richtige Temperatur gebracht und an die Kunden weitergeleitet“, erklärt Stefan Zach. Die Abwärme aus der Brauerei kann damit direkt in der Nachbarschaft für Heizung und Warmwasser genutzt werden. 

Zusätzlich wird im Rahmen des Projektes ein Kabelplus-Stützpunkt errichtet, mit dem in der Region Schwechat rund 10.000 Kunden mit einem hochwertigem TV-Angebot und über 6.000 Kunden mit leistungsfähigem Breitband-Internet versorgt werden können. "Auch die Abwärme der dafür notwendigen Serverräume wird im Projekt genutzt", ergänzt Gerhard Sacher, Geschäftsführer der EVN Wärme.

Ausgezeichnete Brauerei

Wie gut Wohnung mit Gärwärme beheizt werden können, beweist die Brauerei Puntigam in Graz. Auf dem 65.000 Quadratmeter großen Areal des Brauquartiers werden 2.000 Menschen mit Abwärme aus der benachbarten Brauerei versorgt. Das Projekt startete 2018, vollkommen fertiggestellt werden soll das Brauquartier laut C&P Immobilien bis 2021. Als Beratung in Sachen Wärmeversorgen hat das Immobilienunternehmen KELAG Wärme herangezogen. Der Energieversorger hat 1,5 Millionen Euro in das Projekt investiert und kann nach Fertigstellung des Projekts rund 3,8 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr daraus gewinnen. 

In Graz wird nicht nur Abwärme genutzt, die Brauerei investiert auch in Energieeinsparungs-Maßnahmen, die Optimierung von Abfalltrennung sowie die Reduktion von Kondensatverlust im gesamten Betrieb. „Integrierter Umweltschutz ist eine grundlegende Firmenphilosophie. Wir arbeiten stetig daran, unsere Abläufe in der Brauerei effizienter und somit umweltschonender zu gestalten“, so Gerald Zanker, Braumeister der Brauerei Puntigam. 

https://youtu.be/82vHp-dKi2c

Neben dem Brauwärmeprojekt in Schwechat, zählt das Grazer Brauquartier zu den absoluten Vorzeigeprojekten der Brau Union. Mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie „Brewing a better World“ will die Union beweisen, dass nachhaltige Bierkultur funktioniert. Dafür wird die Brau Union seit 2016 jährlich mit dem Ökoprofit der Stadt Graz geehrt. 

Abwärmenutzung soll einfacher werden

Dafür, dass in Zukunft noch mehr Projekte realisiert werden können, setzt sich die Industriellenvereinigung ein: „Uns ist es wichtig, dass die Energiewende umfassend betrachtet und nicht auf einzelne Sektoren eingegrenzt wird“, begründet Vize-Generalsekretär Peter Koren das Engagement. „Als ausgezeichnetes Positiv-Beispiel ist hier die industrielle Abwärmenutzung zu nennen. Es gilt in intelligenter Weise die in Produktionsprozessen anfallende Abwärme inner- bzw. außerbetrieblich anderswertig weiterzuverwenden. Unsere Aufgabe als Industriellenvereinigung ist es die notwendigen Rahmenbedingungen einzufordern.“

Bei der EVN ist man davon überzeugt, dass die Abwärmenutzung ein wichtiger Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit sein kann. „Wenn wir für Projekte als Berater herangezogen werden, sehen wir uns im ersten Schritt deshalb auch an, ob und wo Prozesswärme entsteht und wie sie genutzt werden kann. Damit werden im Endeffekt Energie und Kosten gespart“, schließt Stefan Zach ab. 

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