Statusbericht Klimaschutz in Österreich

„Bei der thermischen Sanierung haben wir ganz klar Aufholbedarf“

Die Regierung hat nun öffentlich einen Statusbericht zum österreichischen Klimaschutz abgegeben. In einer Pressekonferenz in Wien erklären die zuständigen Minister, was in der Klima- und Energiestrategie enthalten sein soll. Einen konkreten Beschluss soll es im Juni geben. Plus: Sagen Sie uns, ob Sie glauben, dass die Klimaziele erreichbar sind.

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Bei der Pressekonferenz zum Statusbericht Klimaschutz in Österreich präsentierten Jürgen Schneider (Umweltbundesamt), Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger und Verkehrsminister Norbert Hofer die Bilanz der österreichischen Klimapolitik.

Bei einer einer Pressekonferenz gab die Regierung nun einen Statusbericht zum Klimaschutz in Österreich ab. Als problematisch gesehen werden vor allem die Sektoren Verkehr und Gebäude.

EU-Polster schönt Bilanz

Jürgen Schneider, Klimaexperte des Umweltbundesamtes, erklärt, dass die Emissionen zwar seit 2014 stetig steigen, jedoch noch nicht die von der EU festgelegte Obergrenze erreicht haben. „Derzeit haben wir noch einiges an Gutschriften aus den vergangenen Jahren, doch bei steigenden Emissionen ist die Zielerreichung bis 2020 nicht notwendigerweise in der Tasche“, so Schneider. Für die Erreichung der Klimaschutzziele ist unbedingt der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen nötig. Außerdem wird laut Schneider der Sektor Verkehr eine große Herausforderung werden.

Sanieren statt neu bauen

Vor allem in Anreize zur Gebäudesanierung soll laut Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger investiert werden: „Bei der thermischen Sanierung haben wir ganz klar Aufholbedarf. Dass das Potenzial da ist, sehen wir vor allem im Altbau. Es lohnt sich, eher in die Sanierung zu investieren, als neue Grünflächen zu bebauen.“

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Rund 8,1 Millionen Tonnen an THG-Emissionen sind im Jahr 2016 auf den Gebäudesektor entfallen. Das entspricht einem Anstieg von 2,7 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Industrie wenig betroffen

Der Sektor Industrie ist in Österreich mit 35,2 Tonnen CO2-Emissionen zwar der größte Emittent an Treibhausgasen, wird von der Regierung aber nicht als größtes Problem gesehen: Gegenüber 2015 sind die Emissionen schließlich um 1,6 Prozent gesunken.

Als Herausforderung wahrgenommen wird aber der Emissionshandelsbereich. Dieser verursachte 2016 Treibhausgase im Ausmaß von 29 Millionen Tonnen. Durch die Schließung des Kohlekraftwerks in Dürnrohr wurde zwar weniger Strom aus Kohlekraft produziert, jedoch stieg der Stromanteil aus Erdgas und Erdöl parallel. Die Förderung von erneuerbaren Energien und der E-Mobilität sei deshalb eine wichtige Maßnahme, so Norbert Hofer, Bundesminister für Verkehr.

Einsparungen der Fluorierten Gase

Eine weitere Maßnahme sollen die Einsparungen von Fluorierten Gasen sein. 2016 wurden in Österreich F-Gase im Ausmaß von 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent emittiert. Das ist ein Emissions-Zuwachs von fünf Prozent. Durch die F-Gase-Verordnung der EU werden in Europa Kältemittel (F-Gase) mit hohem Treibhausgas-Potenzial regelmentiert und künftig teilweise reduziert.

Bis März soll die neue Klima- und Energiestrategie verfasst werden. Bei reibungslosen Abläufen wird der Beschluss also frühestens im Juni im Ministerrat festgesetzt.

Kritik aus dem Umweltschutz

Die Umweltschutzorganisation betitelt die österreichische Klimapolitik indes als Scherbenhaufen. „Bis dato muss die Regierung die Lösungskompetenz erst beweisen, da sie neben positiven Ankündigen wie den Ausbau der E-Mobilität, den Kohleausstieg bis 2020 sowie neuer Förderungen von thermischer Sanierung auch kotraproduktive Vorschläge wie das Tempo 140 auf Autobahnen als auch die Beibehaltung des Dieselprivilegs gemacht hat“, so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Kritisiert wird vor allem auch die Ausweitung des Tempolimits auf 140 Stundenkilometer. Dies würde sowohl die Verkehrssicherheit verringern, als auch die CO2-Emissionen erhöhen, heißt es von der Umweltorganisation.

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