Förderpolitik

Austria Email-Chef Hagleitner fordert Förderungen für Gebäudesanierungen

Nachdem in Deutschland die Förderung energetischer Gebäudesanierungen mittlerweile auf dem Plan der Berliner Koalition steht, werden ähnliche Instrumente nun auch in Österreich gefordert.

Die Austria Email, ein Hersteller von Warmwasser-Speichern mit Sitz im steirischen Knittelfeld, wünscht sich von der Regierung steuerliche Lenkungsmaßnahmen in Richtung Erhöhung der Energieeffizienz und Reduktion von Emissionen. So könnte man durch reduzierte Mehrwertsteuer-Sätze oder eine einfachere Absetzbarkeit Beschäftigungsimpulse geben, meint Austria-Email-Chef Martin Hagleitner.

In Deutschland hatten erst kürzlich rund 40 Unternehmerverbände ebenfalls eine steuerliche Förderung für die energetische Gebäudesanierung gefordert. Bauminister Horst Seehofer hat die Forderung aufgegriffen, sie soll nun im Klimakabinett der Bundesregierung evaluiert werden.

"Was bis jetzt bekannt ist von der Steuerreform, ist sehr positiv", sagte Hagleitner zur APA. Die Reform bringe vor allem Beziehern von Lohn und Gehalt spürbare Entlastungen, aber "auch für Unternehmen ist etwas dabei. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob nicht eine deutlichere Senkung für investierte Gewinne die attraktivere Variante gewesen wäre".

Hagleitner ist auch stellvertretender Obmann des 2017 gegründeten "Zukunftsforum SHL", in dem die österreichischen Installateure, der Sanitär- und Heizungsgroßhandel sowie Markenproduzenten zusammengeschlossen sind. Ziel dieses Branchenforums sei es, "konstruktive Vorschläge zu machen, um die Sanierungsrate, die in Österreich sehr tief ist, auf ein Niveau zu bringen, dass die Klimaziele erreicht werden, Wohnen leistbarer wird und der Markt belebt wird".

"30 Prozent der Emissionen kommen aus dem Gebäudebestand", so Hagleitner, "und 40 Prozent des Primärenergieverbrauchs stecken in Gebäuden, und da vor allem im Heizungs- und Warmwasser-Bereich." Hier könnte man mit steuerlichen Anreizen Beschäftigungsimpulse setzen, auch um einer Konjunkturabkühlung entgegenzuwirken und die Haushalte zu entlasten. In der Wohndiskussion werde immer darauf hingewiesen, dass die Mieten sehr hoch seien und dass das an der Gier der Vermieter und Eigentümer liege. "Die Wirklichkeit ist, dass vor allem Gebühren, Abgaben und Betriebskosten gestiegen sind." Das wäre auch ein Hebel, Wohnen im Gebäudebestand leistbarer zu machen, "weil über Neubau wird's nicht möglich sein".

Eine Vollsanierung von Dach, Fassaden, Fenstern, Heizung und Warmwasser sei zwar nicht für jeden leistbar, aber auch mit einer Teilsanierung von Heizung, Warmwasser und der obersten Geschoßdecke könnte man schon drei Viertel der möglichen Energieeinsparung realisieren, erklärte Hagleitner. Man habe der Regierung auch Vorschläge übermittelt, nach welchen Kriterien treffsicherer gefördert werden könnte. Dass die Sanierungsrate so niedrig sei, liege aber nicht nur an den Rahmenbedingungen, sondern auch am Fachkräftemangel.

Das vor 160 Jahren gegründete Traditionsunternehmen Austria Email mit Hauptsitz und Werken in Knittelfeld produziert und vertreibt mit rund 330 Mitarbeitern u.a. Warmwasserbereiter und Wärmepumpen. 2015 wurde Austria Email von der französischen Groupe Atlantic mehrheitlich übernommen. Im Februar 2017 nahm der neue Mehrheitseigentümer das Unternehmen von der Wiener Börse. Dort hatten die Aktien seit 1855 notiert.

Die 1968 gegründete Groupe Atlantic ist ein französisches Familienunternehmen mit mehr als 7.100 Beschäftigten in 23 Werken weltweit. Sie erzielte im Vorjahr einen Bruttoumsatz von rund 2 Mrd. Euro. Die Franzosen halten heute knapp über 70 Prozent der Anteile an der Austria Email, die Treibacher Industrieholding knapp über 26 Prozent und etwa drei Prozent gehören Kleinaktionären.

Vorstandschef Martin Hagleitner hat im vergangenen September vom neuen Mehrheitseigentümer die Konzernleitung für die deutschsprachigen Länder sowie ausgewählte Marken übernommen und die Vertriebsverantwortung für Konzernprodukte auch für Südosteuropa bekommen. (APA/red)

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